Starke Zahlen, schwacher Kurs. Bei Siemens Energy klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Obwohl die Auftragsbücher überquellen, hat die Aktie seit ihrem April-Hoch rund 20 Prozent an Wert verloren. Nun geht das Management in die Offensive.
Vertrauenstour durch Europa
Um Investoren zu beruhigen, startete der Vorstand heute eine Roadshow in München. In den kommenden Tagen folgen Kopenhagen, Stockholm und London. Das Ziel: Die Lücke zwischen dem Rekord-Auftragsbestand von 154 Milliarden Euro und dem gesunkenen Aktienkurs erklären. Aktionäre fordern vor allem Antworten zur Stabilität der Lieferketten.
Ein zentrales Argument der Tour ist die frisch verkündete Übernahme der Camlin Group. Der Spezialist aus Nordirland bringt rund 650 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von über 90 Millionen Pfund mit. Damit baut Siemens Energy sein margenstarkes Geschäft mit digitaler Netzüberwachung aus. Die Transaktion soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
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Parallel dazu untermauern die jüngsten Quartalszahlen den Wachstumskurs. Mit einem Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahresviertel sichert der Konzern seine Auslastung ab. Fast 80 Prozent der Kapazitäten für das Jahr 2027 sind bereits fest gebucht.
Milliarden für eigene Aktien
Flankierend stützt der Konzern den Kurs mit eigenen Mitteln. Seit Anfang Juni läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Euro. Diese Tranche ist nur der Auftakt. Bis Ende des Geschäftsjahres 2027/28 plant der Vorstand Rückkäufe im Volumen von insgesamt sechs Milliarden Euro.
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Große Investmentbanken teilen den Optimismus des Managements. Vier Häuser sehen deutliches Aufwärtspotenzial:
- JPMorgan bewertet die Aktie mit „Overweight“ (Kursziel: 225 Euro).
- Jefferies hält an einem Ziel von 215 Euro fest.
- Goldman Sachs ruft 212 Euro auf und führt den Titel auf seiner „Conviction List“.
- Deutsche Bank sieht den fairen Wert bei 200 Euro.
Analyst Ajay Patel von Goldman Sachs verweist auf einen konkreten Treiber. Er rechnet mit einem massiv steigenden Strombedarf durch den Ausbau von KI-Rechenzentren.
Der nächste Härtetest für das Management steht bereits fest. Am 5. August legt Siemens Energy seine Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Dann müssen die Münchner beweisen, dass sie das rasante Wachstum auch profitabel abwickeln können.
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