Siemens Energy hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die bislang stärksten Werte seiner Unternehmensgeschichte vorgelegt. Der Auftragseingang kletterte auf 17,9 Milliarden Euro, während auch Umsatz und Profitabilität Rekordniveaus erreichten. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, dass das Wachstum von einem erneuten Rekordauftragseingang im Bereich Gas Services sowie kräftigen Zuwächsen bei Grid Technologies und Transformation of Industry getragen wurde.

Auftragsbestand wächst auf 162 Milliarden Euro

Besonders auffällig ist das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57 – Siemens Energy erhält also deutlich mehr neue Aufträge, als es abarbeitet. Der Auftragsbestand stieg zum Quartalsende auf 162 Milliarden Euro. Auch die einstige Problemsparte Siemens Gamesa lieferte positive Nachrichten: Die Windkraftsparte schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder schwarze Zahlen und liegt nach Unternehmensangaben im Plan, den Break-even für 2026 zu erreichen. Vor diesem Hintergrund bestätigte der Konzern die nach dem ersten Halbjahr angehobene Prognose für das laufende Geschäftsjahr, wobei sich die Ergebnismarge vor Sondereffekten tendenziell am oberen Ende der prognostizierten Bandbreite bewegen soll.

Parallel zu den Zahlen treibt Siemens Energy die Kapitalrückführung an seine Aktionäre voran. Die zweite Tranche des Aktienrückkaufprogramms über eine Milliarde Euro nähert sich dem Abschluss. Zusammen mit der ersten, bereits abgeschlossenen Tranche von zwei Milliarden Euro und der Dividendenpolitik, die eine Ausschüttung von 40 bis 60 Prozent des Nettogewinns vorsieht, peilt der Konzern für das Geschäftsjahr 2026 einen Rückfluss von bis zu 3,6 Milliarden Euro an seine Anteilseigner an.

Neue Marke „Omterra“ soll Siemens Energy und Gamesa vereinen

Strategisch bahnt sich zudem ein größerer Umbau an: Siemens Energy hat die Vorbereitungen für den Übergang zu einer unabhängigen Marke gestartet. Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy sollen künftig unter dem einheitlichen Namen und der Markenidentität „Omterra“ auftreten. Der Übergang soll noch im laufenden Kalenderjahr beginnen und in mehreren Phasen umgesetzt werden. Ergänzt wird das Wachstumsprofil durch die im Juni abgeschlossene Übernahme der nordirischen Camlin Group, mit der Siemens Energy sein Geschäft mit digitaler Netzüberwachung und der Digitalisierung von Energieanlagen ausbaut.

Analysten uneins nach den Zahlen

Die Reaktionen der Analysten auf das Rekordquartal fielen gemischt aus. Deutsche Bank Research hob am Donnerstag das Kursziel von 200 auf 210 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Oddo BHF bewegte sich in die andere Richtung und senkte am selben Tag sein Kursziel von 187 auf 175 Euro – trotz der starken operativen Entwicklung offenbar mit Blick auf die bereits gestiegene Bewertung der Aktie.

An der Börse hat sich das Papier zuletzt stabilisiert, nachdem es sich deutlich von seinem 52-Wochen-Tief entfernt hat. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 153,50 Euro, nach einem Rückgang von 0,35 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 3,13 Prozent, während der Titel weiterhin gut 21 Prozent unter seinem im April markierten 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro liegt. Die Kursentwicklung spiegelt damit die Spanne zwischen operativer Rekordserie und der Frage wider, wie viel davon in der Bewertung bereits eingepreist ist – ein Spannungsfeld, das sich mit dem anstehenden Markenwechsel zu „Omterra“ in den kommenden Monaten weiter zuspitzen dürfte.