Die Aktie von Siemens Energy kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach dem heftigen Kursrutsch am Vortag verliert das Papier auch am Mittwoch weiter an Boden und knickt im XETRA-Handel spürbar ein. Auslöser der Misere war die britische Großbank Barclays. Die Analysten stuften den Energietechnikkonzern überraschend von „Equal Weight“ auf „Underweight“ ab. Zwar hoben sie das Kursziel leicht auf 130 Euro an, warnten jedoch gleichzeitig davor, dass die Bewertung im Gasturbinengeschäft allmählich ihr zyklisches Hoch erreicht hat. Das reichte völlig aus, um eine spürbare Verkaufswelle am Markt auszulösen.

JPMorgan setzt auf die Energiewende

Dabei gibt es durchaus optimistische Gegenstimmen, die das langfristige Potenzial betonen. Die US-Bank JPMorgan hält weiterhin felsenfest an ihrer „Overweight“-Einstufung fest. Analyst Akash Gupta setzt seine Hoffnung vor allem auf die anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, die ab 2027 in Kraft tritt. Das sollte Unternehmen aus den Bereichen Windkraft und Netzinfrastruktur langfristig massiven Rückenwind verleihen. Bis Ende 2026 steht nun erst einmal ein verschärfter Wettbewerb bei den verbleibenden Windkraftauktionen an, da viele Anbieter sich noch schnell die alten, bekannten Konditionen sichern wollen. Bei den verunsicherten Anlegern verfängt diese Zuversicht aktuell jedoch kaum.

Der Streit um die richtige Bewertung

Der wahre Knackpunkt bleibt die fundamentale Bewertung des Konzerns. Barclays betont, dass Siemens Energy gemessen an der freien Cashflow-Rendite mit einem deutlichen Abschlag zum US-Konkurrenten GE Vernova gehandelt wird. Das liefert reichlich Zündstoff für Diskussionen unter Tradern. In den nächsten Wochen entscheiden vor allem der Ausgang der anstehenden Windauktionen, neue Details zum genauen Fahrplan der EEG-Reform und weitere Expertenmeinungen über die Richtung der Aktie. Solange sich die großen Bankenhäuser bei diesem Titel so uneins sind, bleibt das Papier extrem anfällig für heftige Ausschläge in beide Richtungen.