Siemens Energy hat inzwischen eine relativ schwierige Situation erreicht. Die Notierungen kletterten weiter und erreichten nun bei einem Plus von 3,5 % die Marke von rund 153 Euro. Stark! Zuletzt hatte Siemens Energy in der vergangenen Woche 1,78 % verloren und die Marke von 150 Euro unterkreuzt. Am Freitag selbst geriet das Papier zwischenzeitlich noch deutlicher unter Druck, konnte sich zum Handelsschluss allerdings wieder etwas erholen.
Zur Erinnerung: Am 15. Juli war die Aktie intraday noch auf etwas über 155 Euro gestiegen. Offensichtlich kommt es bei Siemens Energy derzeit immer wieder zu schnellen Gewinnmitnahmen.
Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens selbst für die größere Skepsis an den Börsen verantwortlich sind. So benennt sich das Unternehmen in Omterra um. Nach einer Analyse sollen dadurch Einsparungen von rund 300 Millionen Euro erzielt werden. Angesichts einer Marktkapitalisierung von rund 129,06 Milliarden Euro ist dieser Betrag allerdings vergleichsweise gering. Zugleich handelt es sich dabei kaum um einen Faktor, der die aktuelle Kursentwicklung maßgeblich beeinflussen dürfte.
Starker Auftragseingang
Wirtschaftlich bleibt Siemens Energy stark aufgestellt. Das Unternehmen hat vor Kurzem einen Rekordauftragseingang von 17,7 Milliarden Euro gemeldet. Insgesamt beläuft sich der Auftragsbestand auf 154 Milliarden Euro. Auch dieses Niveau lässt aus fundamentaler Sicht kaum Wünsche offen.
Die Skepsis einiger Marktbeobachter geht vielmehr auf Einschätzungen zurück, wonach der derzeitige Nachfragezyklus seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. Unter anderem Barclays vertritt diese Auffassung. Die Mehrheit der Analysten teilt diese Einschätzung allerdings nicht. Insbesondere das Gasturbinengeschäft wird weiterhin als ausgesprochen stark bewertet.
Ein weiterer Einflussfaktor ist die enge Verbindung zum Ausbau von KI-Rechenzentren. Siemens Energy profitiert erheblich von den Investitionen in diese Infrastruktur. Umgekehrt können negative Nachrichten aus dem KI-Sektor deshalb auch die Aktie belasten. Dadurch dürfte das Papier derzeit teilweise stärker schwanken, als es die operative Entwicklung des Unternehmens eigentlich rechtfertigen würde.
Analysten bewerten Siemens Energy insgesamt weiterhin sehr positiv. Die kritischen Stimmen von Barclays und einzelnen Marktbeobachtern finden in den durchschnittlichen Analysteneinschätzungen kaum Widerhall. Im Gegenteil: Mehrere Analysten haben ihre positiven Bewertungen zuletzt ausdrücklich bestätigt. Jefferies sieht die Aktie weiterhin bei 215 Euro und hat dieses Kursziel zuletzt noch einmal bekräftigt. Daraus ergibt sich aus Sicht dieses Analysehauses ein erhebliches Kurspotenzial.
Auch insgesamt bleibt die fundamentale Einschätzung positiv. Siemens Energy ist wirtschaftlich weiterhin ausgesprochen solide aufgestellt. Als Belastungsfaktor gilt allenfalls noch die Windkrafttochter Siemens Gamesa. Dort wird unter anderem darüber diskutiert, ob aktivistische Investoren auf strukturelle Veränderungen drängen könnten. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch über eine mögliche Abspaltung der Sparte spekuliert, um das besonders profitable Geschäft mit Gasturbinen sowie den Ausbau der Netzinfrastruktur stärker in den Vordergrund zu rücken.
Gerade der Ausbau der Netzinfrastruktur spielt eine zentrale Rolle für die Energiewende und die Integration erneuerbarer Energien. Insofern profitiert Siemens Energy auch von langfristigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Wie beschrieben bleibt Siemens Gamesa derzeit zwar ein möglicher Belastungsfaktor. Insgesamt sehen Analysten diese Situation jedoch vergleichsweise gelassen. Da Siemens Energy zudem erst vor Kurzem die Jahresprognose angehoben hat, gibt es aus fundamentaler Sicht nach Einschätzung vieler Experten kaum Anlass, die derzeitige relative Kursschwäche dauerhaft fortzuschreiben.
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