Die jüngste Schwäche der Siemens-Energy-Aktie zeigte sich am Freitag mit dem Rutsch unter die Marke von 150 Euro. Die Dax-Aktie verlor -0,47 % und kommt auf einen Kurs von nur noch 148,04 Euro. Sie kämpft mit dem Aufwärtstrend. -9 % sind es zum GD100 und immerhin nur noch 3 % Polster hat der Titel zur 200-Tage-Linie. Das wird enger.

Die Kurskrise hat mehrere Ursachen. Keine davon geht auf neue Unternehmensnachrichten zurück. Stattdessen sorgen eine milliardenschwere Übernahme im Wettbewerbsumfeld sowie wachsende Zweifel an den Investitionen großer Technologiekonzerne in Rechenzentren für Gegenwind. Die Kombination dieser Faktoren setzte den Energietechnikkonzern zuletzt spürbar unter Druck.

Siemens Energy leidet unter ABB

Im Mittelpunkt steht der Vorstoß des Schweizer Konkurrenten ABB. Das Unternehmen übernimmt den britischen Automatisierungsspezialisten Rotork für 5,5 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro. Rotork ist unter anderem auf Durchflusskontrollgeräte und elektrische Stellantriebe spezialisiert und verfügt über eine starke Marktposition bei der Elektrifizierung von Rechenzentren. In diesem Bereich zählt auch Siemens Energy zu den wichtigen Anbietern. Mit der Übernahme verschafft sich ABB deshalb Zugang zu einem Geschäftsfeld, das in den vergangenen Jahren stark vom Ausbau digitaler Infrastruktur profitiert hat.

Auch wenn Marktbeobachter den Kaufpreis als ambitioniert ansehen, gilt die Transaktion wegen der attraktiven Margen als strategisch sinnvoll. Für Siemens Energy rückt damit allerdings die Wettbewerbssituation stärker in den Fokus. Anleger hinterfragen zunehmend, wie sich der verschärfte Konkurrenzkampf in einem der wichtigsten Zukunftsmärkte auf die Bewertung des Unternehmens auswirken könnte.

Die angespannte Stimmung wurde zusätzlich durch Entwicklungen in den USA verstärkt. Dort sorgten Spekulationen über möglicherweise geringere Investitionen großer Hyperscaler wie Amazon und Co. in neue KI-Rechenzentren für Zurückhaltung bei Technologie- und KI-Werten. Siemens Energy wird inzwischen als einer der bedeutendsten deutschen Profiteure dieses Booms wahrgenommen und reagiert deshalb besonders sensibel auf Veränderungen im Umfeld der großen US-Technologiekonzerne.

Daher:

Auch der charttechnische Blick bleibt zunächst verhalten. Seit dem Rekordhoch von 191,66 Euro im April hat die Aktie mehr als 30 % an Wert eingebüßt. Die Marke von 150 Euro konnte zuletzt nicht nachhaltig verteidigt werden, wodurch sich das kurzfristige Bild charttechnisch weiter eingetrübt hat.

Und dennoch: Analysten sehen die Aktie weiterhin bei über 197 Euro. In der Spitze bleiben es sogar über 215 Euro Kursziel, auch wenn die BoFa jüngst mit 130 Euro entsetzt hatte. Die Mehrheit ist zuversichtlich!