Bei Siemens Energy treffen derzeit zwei sehr unterschiedliche Signale aufeinander: Wirtschaftlich betrachtet jagt ein Rekord den nächsten, während sich bei der Bewertung die Meinungen der Analysten deutlich auseinanderentwickeln. Genau diese Diskrepanz dürfte für Anleger zunehmend wichtiger werden. Denn ein Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro und ein Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro sprechen für eine außergewöhnlich starke Nachfrage. Die Zahlen beantworten aber noch nicht die Frage, wie viel davon bereits im Kurs eingepreist ist. Heute ging es aktuell um rund 3,5 % aufwärts. Die Aktie kommt auf einen Kurs in Höhe von immerhin rund 164,40 Euro. Mächtig!

Siemens Energy: Das sieht gut aus!

Die Auftragsbücher liefern zunächst reichlich Argumente für Optimismus. Mit einer Book-to-Bill-Ratio von 1,57 (Aufträge vs. Umsätze) nimmt Siemens Energy deutlich mehr neue Aufträge auf, als derzeit abgearbeitet werden können. Besonders stark zeigte sich das Gasturbinengeschäft. Der Auftragseingang sprang hier um 80 % auf 8,75 Milliarden Euro. Rund ein Viertel der neuen Turbinenaufträge steht inzwischen im Zusammenhang mit Rechenzentren. Der weltweite Ausbau der KI-Infrastruktur entwickelt sich damit zu einem wichtigen zusätzlichen Wachstumstreiber.

Noch Jahre anhaltende Nachfrage könnte sich daraus ergeben. Die Lieferzeiten für bestimmte Gasturbinen reichen inzwischen bis 2030. Gleichzeitig baut Siemens Energy seine Kapazitäten in den USA aus. In Georgia fließen 185 Millionen US-Dollar in eine neue Fertigungsanlage, mit der rund 1.400 Arbeitsplätze entstehen sollen. Damit reagiert der Konzern auf den wachsenden Bedarf an Energieinfrastruktur, insbesondere in Nordamerika.

Auch Siemens Gamesa liefert inzwischen eine völlig andere Geschichte als noch vor wenigen Jahren. Die Windkraftsparte hat erstmals seit 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis erzielt. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Break-even erreicht werden. Sollte sich diese Stabilisierung fortsetzen, könnte der frühere Belastungsfaktor zunehmend zur Stütze für die Profitabilität des Gesamtkonzerns werden.

Beim Blick auf die Analysten zeigt sich allerdings ein deutlich weniger geschlossenes Bild. Die Deutsche Bank und UBS erhöhten ihre Kursziele jeweils auf 210 Euro und bleiben bei Kaufempfehlungen. Oddo BHF reduzierte sein Ziel dagegen auf 175 Euro und bleibt neutral. Barclays hob das Kursziel vor einigen Wochen zwar auf 130 Euro an, stufte Siemens Energy aber gleichzeitig auf „Underweight“ herab. Die Begründung: Bei Gasturbinen und Netztechnik könnte der aktuelle Zyklus seinen Höhepunkt bereits erreicht haben.

Am Ende aber erwarten die Analysten bezogen auf die Kursziele noch eminente Chancen. Fast 200 Euro sollen erreichbar sein!