Nahezu verdreifacht in zwölf Monaten, Rekordkurs, Rekordauftragsbestand — und trotzdem bleibt eine Baustelle offen. Siemens Energy geht mit einem Jahreshoch von 170,86 Euro in die neue Woche, doch der eigentliche Test kommt erst am 12. Mai.

Gamesa: Verlust schrumpft, Profitabilität noch offen

Die Windkraftsparte Siemens Gamesa ist das Herzstück der Investmentgeschichte — und ihr größtes Risiko. Der Quartalsverlust sank dramatisch von 374 Millionen auf 46 Millionen Euro. Ein positives Halbjahresergebnis ist trotzdem noch nicht gesichert.

Am 12. Mai legt Siemens Energy den Halbjahrsbericht vor. Der Markt will wissen: Mündet der Rekordauftragsbestand von 146 Milliarden Euro endlich in bessere Margen? Und wie stark haben geopolitische Turbulenzen die Konzernzahlen belastet? Ein Pre-Close Call wurde bereits abgehalten — die Berichtsvorbereitung läuft geordnet.

Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent an, einen Nettogewinn zwischen 3 und 4 Milliarden Euro sowie einen freien Cashflow vor Steuern von 4 bis 5 Milliarden Euro.

AWS-Pakt und ausgebuchte Gasturbinen

Neben Gamesa gibt es strukturelle Rückenwind-Faktoren, die den Kursanstieg von fast 170 Prozent im Jahresvergleich erklären. Amazon Web Services etablierte sich im April als strategischer Cloud-Partner und will gemeinsam mit Siemens Energy schlüsselfertige Umspannwerklösungen für Rechenzentren entwickeln — inklusive Projekten zur Stromerzeugung im Gigawatt-Maßstab.

Die Gasturbinen-Kapazität ist vollständig bis 2028 ausgebucht, erste Aufträge für 2030 liegen bereits vor. Die Neuaufträge sprangen im ersten Quartal um 33 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro — getragen von Gas Services und Grid Technologies.

Rückkäufe stützen, Analysten uneinig

Das laufende Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 2 Milliarden Euro läuft bis Ende September 2026. Allein zwischen Ende März und Anfang April kaufte Siemens Energy knapp 1,5 Millionen eigene Aktien zurück.

Das Analystenlager ist gespalten: JPMorgan sieht das Kursziel bei 200 Euro, DZ Bank nur bei 128 Euro. Der Schlusskurs von 170,64 Euro liegt dabei knapp 40 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt — ein Niveau, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.

Der Halbjahrsbericht am 12. Mai wird zeigen, ob Gamesa den Turnaround beschleunigt und ob die ambitionierten Jahresziele Bestand haben. Verfehlt die Windkraftsparte die Erwartungen erneut, dürfte der Kursaufschlag gegenüber dem Analystenkonsens schnell unter Druck geraten.