Zwei Tage, zwei Mal Spitzenreiter im DAX: Siemens Energy hat sich nach dem Abverkauf der Vorwoche zurückgemeldet. Am Dienstag legte die Aktie um 4,4 Prozent zu, am Mittwoch stehen zeitweise weitere gut drei Prozent im Plus. Auslöser ist diesmal die Konkurrenz aus den USA.
GE Vernova liefert das Signal
Der Rivale GE Vernova übertraf mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen. Der Umsatz stieg um knapp 27 Prozent, der Auftragseingang hat sich nahezu verdoppelt. Gefragt sind vor allem Gasturbinen, getrieben vom Boom bei Rechenzentren. Zudem hob das Management die Jahresprognose an und verdoppelte das Aktienrückkaufprogramm auf 20 Milliarden Dollar.
Für Siemens Energy ist das ein willkommenes Signal. Die Aktie war zuletzt mit den Zweifeln am KI-Trade unter Druck geraten und hatte gegenüber dem Jahresauftakt zeitweise ins Minus gedreht. Die GE-Zahlen nehmen den Wachstumssorgen nun etwas den Wind aus den Segeln.
Ein Vergleich der Bewertung spielt Siemens Energy zusätzlich in die Karten: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt für das laufende Geschäftsjahr bei 29,1, bei GE Vernova dagegen bei 59.
Bank of America hält dagegen
Die Bank of America bleibt bei ihrer Kaufeinstufung und hält den Kursrückgang für überzogen. Aus ihrer Sicht preist der Markt zu pessimistische Annahmen zur Nachfrage aus dem Rechenzentrumssektor ein. Als Argumente gelten der wachsende Strombedarf auch jenseits der Rechenzentren und die Windkraftsparte, die erstmals seit längerer Zeit auf Quartalsbasis wieder Gewinn schrieb.
Eine andere Lesart vertritt Barclays. Analyst George Featherstone sieht hohe Risiken für Energiedienstleister und mahnt, die Lieferkette könne ihre Preise und Margen nicht unbegrenzt steigern.
Das Management selbst dämpft kurzfristig die Erwartungen. Der Auftragseingang im Gasgeschäft soll im vierten Geschäftsquartal unter den starken ersten drei Quartalen liegen, was das Unternehmen mit Projektphasing erklärt.
Bei Gasturbinen liegen Kundenzusagen inklusive Reservierungen bei 95 Gigawatt, rund 40 Gigawatt davon sind fest bestellt. Von acht Analysten mit Kaufempfehlung und einem mit Halteempfehlung ergibt sich ein mittleres Kursziel von 212,14 Euro.
Der nächste Termin
Am 11. November legt Siemens Energy die Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr vor. Dann folgen auch der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027, neue Ziele für 2030 und ein aktualisierter Kapitalallokationsrahmen. Dort entscheidet sich, ob Gasaufträge und Margen die Zuversicht der Bank of America tragen.
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