Gut 145 Euro stehen bei Siemens Energy zum Wochenstart auf der Kurstafel. Die Aktie hat am Montag zwar etwas gewonnen, für einen technischen Ausbruch reicht die Bewegung aber noch nicht. Sowohl zur 100-Tage-Linie als auch zur 200-Tage-Linie fehlen weiterhin rund 5 %. Erst wenn beide Durchschnittslinien wieder überschritten werden, wäre die jüngste Erholung charttechnisch besser abgesichert. Die Analysten sind wesentlich zuversichtlicher. Im Durchschnitt liegen ihre Kursziele bei rund 197 Euro. Von gut 145,10 Euro aus wären das etwa 51,90 Euro oder rund 35,8 % mehr. JPMorgan geht mit 245 Euro noch weiter. Dieses Ziel liegt rund 99,90 Euro beziehungsweise etwa 68,8 % über dem aktuellen Niveau.

Neues Geschäftsjahr lässt noch einmal mehr hoffen

Die hohe Erwartung trifft auf den Beginn des neuen Geschäftsjahres. Siemens Energy geht mit einem Auftragsbestand von 167 Milliarden Euro in die neue Periode. Besonders die Netzinfrastruktur profitiert vom wachsenden Strombedarf durch Rechenzentren und den Ausbau der künstlichen Intelligenz. Neue Projekte für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung in Europa und Nordamerika erweitern dieses Geschäft, konkrete Auftragswerte und Liefertermine sind allerdings noch nicht genannt.

Auch das Turbinengeschäft erhält neue Perspektiven. Das ukrainische Energieunternehmen Naftogaz erwägt den Kauf von fünf Gasturbinen-Kompressoreinheiten. Zusätzlich gibt es eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei Energiesicherheit, Gasspeichern und Stromerzeugung. Über zwölf weitere Gasturbinen für eine dezentrale Energieversorgung in der Ukraine wird ebenfalls gesprochen. Aus diesen Vorhaben lässt sich deshalb noch kein gesicherter Umsatz ableiten.

Die operative Basis wird zudem ausgebaut. In Indien übernahm Ajay Jain die Leitung des Transformatorengeschäfts von Siemens Energy India. In Deutschland stellte Bayern Ende September Unterstützung für den industriellen Hochlauf in Aussicht. Dabei geht es um Investitionsbedingungen, Fachkräfte und Lieferketten.

Der hohe Auftragsbestand steht allerdings nicht ohne Gegenrisiken. Bei Siemens Gamesa bestehen weiterhin operative und Ausführungsrisiken. Hinzu kommt eine Bewertung mit einem KGV von nahezu 45. Der Markt muss deshalb nicht nur den hohen Auftragseingang und die Nachfrage nach Strominfrastruktur berücksichtigen, sondern auch die bereits hohe Bewertung der Aktie.