Operativ läuft es rund, an der Börse zählt das heute wenig. Die Aktie von Siemens Energy rutschte im XETRA-Handel zeitweise um 3,4 Prozent ab und markierte bei 128,20 Euro ihr Tagestief. Zuletzt lag sie wieder bei rund 132 Euro. Auslöser ist ein breiter Abverkauf bei Profiteuren des Rechenzentrumsausbaus.

Barclays zweifelt an der Preismacht

Verstärkt wird der Druck durch eine Branchenstudie von Barclays. Analyst George Featherstone verweist auf eine Vereinbarung zwischen Anthropic und dem Cloud-Anbieter Nscale über einen großen Zukauf an KI-Rechenleistung. Der Deal legt aus seiner Sicht nahe, dass die Lieferkette Preise nicht mehr unbegrenzt erhöhen und Margen ausweiten kann.

Hohe Risiken sieht er deshalb bei Anbietern von Energietechnik. Neben Siemens Energy nennt er Siemens, ABB und Schneider Electric. Siemens war im DAX zeitweise größter Verlierer. Rekordhohe Auftragseingänge bei ABB konnten die Stimmung im Sektor nicht drehen.

Zinsen verteuern den KI-Ausbau

Hinter dem Abverkauf stehen wachsende Zweifel, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen von Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft rechnen. Genau diese Ausgaben hatten die Rally bei Chip- und Energieinfrastrukturwerten getragen. Inflationsbedingt steigende Marktzinsen lassen zudem die Kreditrisiken wachsen.

Belastend wirken auch hohe Energiepreise und die Ausschreitungen in Frankreich. Die LBBW sieht darin ein Hindernis für die Haushaltskonsolidierung der Regierung, der Anleihemarkt bleibt verunsichert. Nelson Yu von AllianceBernstein vermutet, dass die KI-Euphorie nun auf „Zinsrealität“ treffe.

Die Zahlen stützen die Bullen

Das Geschäft liefert dagegen wenig Anlass zur Sorge. Im dritten Geschäftsquartal erreichte der Auftragseingang mit 17,9 Milliarden Euro einen Rekord. Der Gewinn vor Sondereffekten stieg auf rund 1,6 Milliarden Euro, nach 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Prognose für 2026 bestätigte der Konzern.

Auch die Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich. JPMorgan-Analyst Phil Buller bekräftigte gestern sein „Overweight“-Rating und sieht europäische Anbieter gegenüber US-Konkurrenten gut aufgestellt. 25 von 33 Experten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 194,72 Euro.

Anfang November rücken die deutschen Kraftwerksausschreibungen in den Blick. Am 11. November legt Siemens Energy die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor. Zuvor zeigen die Berichte der großen US-Techkonzerne, ob die Rechenzentrums-Investitionen hoch bleiben.