Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hat sich in den vergangenen Tagen mehrfach politisch geäußert – mit ungewöhnlicher Deutlichkeit für einen Konzernlenker. Im Umfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnte er laut dpa vor der Wirtschaftspolitik der AfD und sprach von einem „dramatisch falschen Signal“. Für ein Unternehmen, das tief in der Energiewende und im Netzausbau verankert ist, ist die politische Großwetterlage keine Nebensache.

Bereits am Freitag zuvor hatte Bruch gegenüber der Nachrichtenagentur auf ein anderes Risiko hingewiesen: die deutsche Energieinfrastruktur stehe unter besonders starken Angriffen. Er sprach von einem in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten deutlich erhöhten Bedrohungsniveau.

Solche Aussagen aus der Chefetage eines Konzerns, der Kraftwerke, Netztechnik und Umspannwerke baut, unterstreichen, wie eng Sicherheitsfragen inzwischen mit dem Kerngeschäft verwoben sind.

Konzernumbau als Hintergrund

Die Warnungen fallen in eine Phase, in der Siemens Energy sein Portfolio neu ordnet. Ende August hatte der Konzern angekündigt, den Großteil der Industrie-Sparte zu verkaufen, um sich stärker auf das Geschäft mit Versorgern zu konzentrieren.

Parallel dazu plant das Unternehmen die Abspaltung des Geschäfts Transformation of Industry, für das Medienberichten zufolge Interesse aus dem Private-Equity-Bereich besteht. Final abgeschlossen ist diese Transaktion nach bisherigem Stand noch nicht.

Diese strategische Fokussierung auf das Kerngeschäft mit Netzbetreibern und Versorgern passt zu Bruchs öffentlichen Äußerungen: Ein Unternehmen, das sich als kritischer Infrastrukturpartner positioniert, hat ein erkennbares Interesse daran, politische Rahmenbedingungen und Sicherheitsfragen aktiv zu kommentieren.

Kursverlauf bleibt volatil

Die Aktie notiert aktuell bei 148,26 Euro und damit knapp über dem Schlusskurs vom Montag von 148,00 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 5,8 Prozent zu Buche, während der Titel binnen 30 Tagen um 4,5 Prozent nachgegeben hat.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April erreicht wurde, beträgt weiterhin 24 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz des kräftigen Jahresplus von 23 Prozent noch deutlich Luft zur alten Bestmarke besteht.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Anfang September hatten mehrere Häuser ihre Einschätzung zu Siemens Energy erneuert. JPMorgan bestätigte am 2. September die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro, nachdem das Haus bereits am Vortag dieselbe Bewertung bekräftigt hatte.

Jefferies bestätigte am 2. September ebenfalls „Buy“, nachdem das Kursziel Ende August auf 215 Euro festgelegt worden war. Auch die Deutsche Bank und Banco BTG Pactual positionierten sich Anfang September mit „Buy“-Einstufungen, Letzteres im Rahmen der Neuaufnahme der Coverage.

Die geschlossene positive Analystenmeinung steht damit dem eher gemischten Kursbild der vergangenen Wochen gegenüber. Für Anleger bleibt die Aktie ein Fall, bei dem strategischer Konzernumbau, politische Risikoeinschätzungen des Managements und eine mehrheitlich bullishe Analystenlage gleichzeitig auf die Bewertung einwirken.