Ein herber Kursrutsch beim US-Konkurrenten GE Vernova hat am Donnerstag auch die Siemens-Energy-Aktie belastet – JPMorgan sieht darin jedoch keinen Grund zur Sorge. Die Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 235 Euro und bezeichnete den Abschlag als unbegründet.

Kursrücksetzer durch GE Vernova ausgelöst

Am Mittwoch fiel die Siemens-Energy-Aktie an der Frankfurter Börse um 1,22 Prozent auf 150,46 Euro, nachdem GE Vernova mit enttäuschenden Quartalszahlen den Sektor unter Druck gesetzt hatte. Die Aktie des US-Wettbewerbers brach an der New Yorker Börse um 8,69 Prozent auf 985,03 US-Dollar ein, nachdem sie im laufenden Jahr zuvor um 65 Prozent zugelegt hatte. JPMorgan-Analyst Phil Buller ordnete den Rückgang bei Siemens Energy als übertrieben ein und rechnet mit einer Erholung des Kurses. Am Freitag zeigte sich die Aktie bereits wieder fester: Zum Handelsauftakt notierte sie mit 152,46 Euro rund 1,57 Prozent im Plus, aktuell steht sie bei 152,66 Euro und damit 1,81 Prozent höher als am Vortag.

Am gesamten Analystenbild ändert der Rücksetzer wenig. Nach jüngstem Stand raten acht Häuser zum Kauf, zwei zu Halten und ein Haus zum Verkauf der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 193,80 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 26,32 Prozent gegenüber dem zuletzt erfassten Kurs entspräche. Zur Einordnung: Vom bisherigen 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro, erreicht im April, ist die Aktie derzeit noch knapp 22 Prozent entfernt. Gegenüber ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 145,16 Euro notiert sie hingegen gut fünf Prozent höher – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Schwäche intakt ist.

Geschäftszahlen und Wachstumstreiber

Im zweiten Fiskalquartal hatte Siemens Energy einen Umsatz von rund 10,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen Analysten laut Konsensschätzungen mit einem Gewinn je Aktie von 4,38 Euro, für 2027 mit 6,01 Euro. Bei der Dividende gehen Schätzungen von 1,90 Euro für 2026 und 2,60 Euro für 2027 aus – nach einer aktuellen Rendite von lediglich 0,70 Prozent wäre das ein spürbarer Sprung.

Ein zentraler Wachstumstreiber bleibt die Kernenergie. Nordamerika baut seine Kapazitäten deutlich aus: Kanada plant ein Kleinreaktor-Projekt, das rund 1,2 Millionen Haushalte versorgen soll, während die USA ihre Atomkapazität bis 2050 von derzeit 100 Gigawatt auf 400 Gigawatt vervierfachen wollen. Siemens Energy liefert für solche Projekte Dampfturbinen, Generatoren und die zugehörige Technik – ein Geschäftsfeld, von dem neben dem Konzern auch Unternehmen wie Cameco profitieren sollen.

Gamesa-Turnaround und Strukturfragen im Blick

Unter Anlegern wird derzeit intensiv über die Windkraftsparte Siemens Gamesa diskutiert. Der Turnaround dort gilt als anspruchsvoll: Marktbeobachtern zufolge könnte die Sparte erst 2028 die Gewinnschwelle erreichen, bis dahin wird mit weiterhin negativem Cashflow gerechnet. Parallel kursieren in Anlegerkreisen Spekulationen über eine mögliche Abspaltung der Industriesparte des Konzerns – belastbare Details dazu liegen bislang nicht vor.

Die im Freitagvormittagshandel zu beobachtende Kurserholung zeigt, dass Anleger den GE-Vernova-Schock offenbar nicht eins zu eins auf Siemens Energy übertragen. Mit einer 30-Tage-Volatilität von knapp 52 Prozent bleibt die Aktie aber ein Papier für Anleger mit Nerven – die Schwankungsbreite lässt sowohl schnelle Erholungen als auch erneute Rücksetzer zu.