Siemens Energy hat am Donnerstag deutlich zugelegt und notiert bei 141,74 Euro, ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 136,78 Euro. Damit stabilisiert sich die Aktie nach einer schwächeren Phase der vergangenen Wochen und testet erneut eine wichtige charttechnische Marke.

Rekordaufträge stützen die Erholung

Beobachter führen die Kurserholung unter anderem auf die anhaltend starke Auftragslage zurück. Der Konzern verweist auf Rekordaufträge von 17,9 Milliarden Euro sowie eine Rückkehr zur Profitabilität bei der Windsparte Siemens Gamesa. Charttechnisch gilt ein nachhaltiger Anstieg über die Marke von 141,95 Euro als Signal für einen neuen Rallyimpuls – ein Niveau, das die Aktie im heutigen Handel bereits touchiert hat.

Ein weiterer positiver Impuls kam aus Warnemünde: Die Neptun Werft darf laut übereinstimmenden Berichten eine zweite Offshore-Plattform für den Netzbetreiber 50Hertz bauen. Das Konsortium aus Neptun Smulders und Siemens Energy realisiert damit ein Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro für beide Plattformen zusammen.

Der Auftrag soll bis zu 500 neue Arbeitsplätze in Warnemünde sowie rund 500 weitere in der Zulieferindustrie schaffen. Die erste Plattform entsteht rund 200 Kilometer westlich von Sylt.

Analysten uneins über die Perspektiven

Die Einschätzungen der Analysten gehen derzeit deutlich auseinander. JPMorgan bestätigte sein Kursziel von 245 Euro bei einer Overweight-Einstufung und sieht damit erhebliches Aufwärtspotenzial.

Demgegenüber steht die Skepsis von Mwb, das sein Sell-Rating für Siemens Energy wegen Sorgen über eine langfristige Normalisierung des aktuell hohen Wachstumstempos bekräftigte. Diese Spanne zwischen den Lagern zeigt, wie umstritten die Bewertung des Titels nach dem starken Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate inzwischen ist.

Der Nachfrageschub im Energiesektor speist sich derzeit maßgeblich aus dem Boom bei Rechenzentren und der damit verbundenen Stromnachfrage. Auch der europäische Rahmen dürfte dem Sektor mittelfristig Rückenwind geben: Der Electrification Action Plan der EU sieht vor, den Stromanteil am Endenergieverbrauch bis 2040 von derzeit 23 Prozent auf 46 Prozent zu steigern – ein Ziel, das Investitionen in Netze, Turbinen und Stromausrüstung über Jahre hinweg befeuern dürfte.

Charttechnik bleibt entscheidend

Trotz des heutigen Kurssprungs bleibt die Aktie unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 149,20 Euro, was auf eine noch nicht vollständig überwundene Schwächephase hindeutet. Anleger dürften in den kommenden Handelstagen genau beobachten, ob der Titel die Marke von 141,95 Euro nachhaltig überwinden kann.

Gelingt dies, wäre der Weg für eine fortgesetzte Erholung frei – scheitert der Ausbruch, droht ein erneuter Rücksetzer in Richtung der zuletzt getesteten Unterstützungszone.

Für die weitere Kursentwicklung dürfte neben der operativen Auftragslage vor allem die Frage im Vordergrund stehen, wie belastbar das aktuell hohe Wachstumstempo bei Aufträgen und Margen tatsächlich ist – genau der Punkt, an dem sich optimistische und skeptische Analystenlager derzeit reiben.