154 Milliarden Euro Auftragsbestand stehen einer der schärfsten Analystenkontroversen des Jahres gegenüber. Während Barclays die Siemens-Energy-Aktie Anfang Juli auf „Underweight“ herabstufte und lediglich 130 Euro als fairen Wert sieht, bleiben JPMorgan, Bank of America und Berenberg deutlich optimistischer. Die Aktie reagiert am Donnerstag indes nicht mehr auf die Optimisten. Sie fiel weiter auf weniger als 150 Euro und konnte nun nur noch 148,74 Euro ausweisen. Dies war ein Verlust von -2,26 %.
Das bleibt aktuell noch umstritten
Der wichtigste Unterschied zwischen den Analysten liegt in der Bewertung des langfristigen Infrastrukturbooms. Barclays geht davon aus, dass Siemens Energy bereits auf einem zyklischen Höhepunkt angekommen ist. Nach Einschätzung der Analysten wird der freie Cashflow im Geschäftsjahr 2026 mit rund 7,62 Milliarden Euro seinen Höhepunkt erreichen. Gleichzeitig erwartet das Institut, dass die weltweite Nachfrage nach Gasturbinen künftig um rund 30 % zurückgeht und der Marktanteil des Konzerns in diesem Geschäft bis 2030 von 36 % auf 28 % sinkt. Hinzu kommen mögliche finanzielle Belastungen durch die geplante Erhöhung der Beteiligung an Siemens Energy India.
Andere Investmentbanken ziehen aus denselben Branchentrends genau den gegenteiligen Schluss. JPMorgan führt Siemens Energy weiterhin auf der „Positive Catalyst Watch“ und bestätigt das Kursziel von 235 Euro. Bank of America verweist auf steigende Margen im Netzgeschäft und sieht das Unternehmen als einen der größten Profiteure der weltweit wachsenden Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren. Berenberg erwartet zusätzlich Rückenwind aus einer Erholung des Windkraftgeschäfts. Der Durchschnitt aller Analystenschätzungen liegt derzeit bei 196,54 Euro und damit rund 30 % über dem aktuellen Börsenkurs.
Wirtschaftlich betrachtet liefern die jüngsten Unternehmensmeldungen Argumente für die optimistische Sicht. Siemens Energy verfügt inzwischen über einen Auftragsbestand von 154 Milliarden Euro. Zusätzlich erhielt der Konzern einen weiteren Auftrag für ein Konverterprojekt in der Nordsee. Solche Anlagen werden für den Ausbau europäischer Stromnetze benötigt und gelten als Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Gleichzeitig wächst der Strombedarf großer Rechenzentren weiter, wodurch zusätzliche Investitionen in Netzinfrastruktur erforderlich werden. Die nächsten Quartalszahlen will Siemens Energy am 5. August veröffentlichen.
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