Zehn Millionen zurückgekaufte Aktien treffen auf eine massiv gestiegene Erwartungshaltung. Siemens Energy liefert am Markt derzeit ein hohes Tempo. Wenn der Konzern in der kommenden Woche seine Halbjahreszahlen präsentiert, steht die Fortsetzung der laufenden Rallye auf dem Prüfstand.

Das laufende Aktienrückkaufprogramm entfaltet seine Wirkung. Allein in der ersten Maiwoche sammelte der Konzern gut 635.000 eigene Papiere ein. Seit dem Start summiert sich das Volumen auf über 10,8 Millionen Stück.

Die Käufe erfolgen über unabhängige Institute an verschiedenen europäischen Handelsplätzen. Ein Teil der Papiere wird eingezogen, was den Gewinn je Aktie für die verbleibenden Aktionäre künftig erhöht. Der Rest fließt in Vergütungsprogramme für die Belegschaft.

Das aktuelle Programm umfasst maximal zwei Milliarden Euro. Langfristig plant das Management Käufe für ein weitaus größeres Volumen. Bis 2028 sollen eigene Aktien im Wert von bis zu sechs Milliarden Euro vom Markt verschwinden.

An der Börse belohnen Investoren die Entwicklung. Seit Jahresbeginn kletterte der Kurs um 45 Prozent. Am Freitag ging das Papier bei 178,10 Euro aus dem Handel. Damit bleibt das im Frühjahr markierte Rekordhoch in direkter Schlagdistanz.

Fokus auf Windkraft und Prognose

Ob die Aufwärtsbewegung anhält, entscheidet sich am 12. Mai. Dann präsentiert Siemens Energy den Halbjahresbericht. Die Messlatte liegt nach der jüngsten Prognoseanhebung hoch. Das Management peilt nun ein Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent an.

Am Ende des Jahres soll ein Nettogewinn von rund vier Milliarden Euro stehen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Windkrafttochter Siemens Gamesa. Der operative Verlust der Sparte sank zuletzt deutlich auf 46 Millionen Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Management bei Gamesa den Breakeven an. Die entscheidende Wende soll im zweiten Halbjahr gelingen.

Politische Risiken treten derweil in den Hintergrund. Potenzielle US-Importzölle dürften das Ergebnis lediglich im niedrigen dreistelligen Millionenbereich belasten. Mit knapp 30 lokalen Produktionsstandorten in den Vereinigten Staaten verfügt der Konzern über einen operativen Puffer.

Analysten blicken entsprechend gespalten auf die kommenden Zahlen. Während JPMorgan ein Kursziel von 200 Euro ausruft, positioniert sich Barclays deutlich vorsichtiger. Verfehlt der Halbjahresbericht die ambitionierten Ziele, macht die gehobene Bewertung die Aktie anfällig für eine scharfe Korrektur.