Siemens Energy hat für das dritte Geschäftsquartal 2026 den höchsten Auftragseingang der Unternehmensgeschichte gemeldet. Der Konzern verbuchte Bestellungen im Volumen von 17,9 Milliarden Euro, getrieben von den Sparten Gas Services, Grid Technologies und Transformation of Industry. Der Auftragsbestand kletterte auf 162 Milliarden Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,57.
Die Aktie notiert am heutigen Donnerstag bei 164,98 Euro und legt damit 0,8 Prozent zu. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 7,1 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich das Papier um 37 Prozent verteuert. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht im April, fehlen dem Titel derzeit 16 Prozent.
Gasturbinen und Netztechnik als Wachstumstreiber
Der Umsatz zog im Quartal auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro an. Das Ergebnis vor Sondereffekten stieg deutlich auf 1,62 Milliarden Euro, nach 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1,19 Milliarden Euro. Besonders kräftig entwickelte sich die Gasturbinensparte: Die Erlöse legten um 62 Prozent auf 10 Milliarden Euro zu, allein in diesem Quartal gingen Aufträge über 15 Gigawatt ein.
Seit 2025 hat Siemens Energy rund 30 zusätzliche Fertigungseinheiten für mittelgroße Gasturbinen in Betrieb genommen. Bis 2028 soll die Kapazität für diese Baureihe auf rund 100 Einheiten wachsen, bei den großen Turbinen sind bis 2027 fünfzehn zusätzliche Einheiten geplant.
Die Lieferzeiten liegen aktuell bei drei Jahren oder mehr – ein Hinweis darauf, wie angespannt die Nachfrage nach Kraftwerkskapazität weltweit bleibt. Auch die Netztechniksparte Grid Technologies expandiert: Bis 2030 soll die Fertigungskapazität für Transformatoren und gasisolierte Schaltanlagen um etwa die Hälfte ausgebaut werden.
Der Auftragsbestand dieser Sparte belief sich zum 30. Juni auf 51 Milliarden Euro, für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Segment mit einem Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent und einer Marge vor Sondereffekten von 18 bis 20 Prozent.
Windkraftsparte erstmals seit Jahren wieder profitabel
Auch die Windkrafttochter Siemens Gamesa liefert positive Signale: Erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 schrieb die Sparte wieder schwarze Zahlen und liegt damit im Plan, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen.
Der Konzern bestätigte zudem die zuletzt nach dem ersten Halbjahr angehobene Jahresprognose, mit einer Tendenz zum oberen Ende der prognostizierten Margenspanne. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Siemens Energy mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, einem Nettogewinn von rund 4 Milliarden Euro und einem freien Cashflow vor Steuern von etwa 8 Milliarden Euro.
Auf der Geschäftsseite kamen in den vergangenen Tagen weitere Aufträge hinzu: Gemeinsam mit dem Energiekonzern Vattenfall unterzeichnete Siemens Energy einen 20 Jahre laufenden Servicevertrag für die Kernkraftwerke Forsmark und Ringhals, der neun Turbosätze aus Dampfturbinen und Generatoren umfasst.
Markenwechsel und anstehende Strukturentscheidung
Parallel zum operativen Ausbau treibt der Konzern einen grundlegenden Umbau der Markenidentität voran. Seit Mitte Juli bereitet sich Siemens Energy auf den Übergang zu einer eigenständigen Marke vor: Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy sollen künftig unter dem gemeinsamen Namen Omterra auftreten.
Der Umbau soll noch in diesem Jahr beginnen und in Stufen umgesetzt werden. Damit löst sich der Konzern von der bisherigen Namenslizenz, die im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro gekostet hatte.
Für den 25. August ist zudem eine Sondersitzung des Aufsichtsrats angesetzt, bei der über die Zukunft der Sparte Transformation of Industry beraten wird.
Eine endgültige Entscheidung wird bei diesem Termin nicht erwartet, im Raum stehen aber eine Abspaltung als eigenständig gelistetes Unternehmen oder ein Börsengang. Anleger dürften diesem Termin in den kommenden Wochen besondere Aufmerksamkeit schenken, da er die Konzernstruktur nachhaltig verändern könnte.
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