Siemens Energy hat mit den Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 neue Bestmarken gesetzt – und sorgt nur wenige Tage später mit Plänen für eine mögliche Neuordnung des Konzerns für Gesprächsstoff. Medienberichten zufolge prüft das Unternehmen eine Abspaltung oder einen separaten Börsengang der Sparte „Transformation of Industry“, zu der Dampfturbinen und Wasserstoff-Elektrolyseure gehören. Ein Sonder-Aufsichtsrat soll sich am 25. August mit den Plänen befassen.

Rekordquartal treibt Kennzahlen nach oben

Der Auftragseingang kletterte im dritten Quartal auf 17,9 Milliarden Euro, der Umsatz erreichte 11,4 Milliarden Euro. Beide Werte markieren nach Unternehmensangaben Rekorde. Besonders bemerkenswert: Die Windkrafttochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Der Auftragsbestand des Konzerns wuchs zum Quartalsende auf einen neuen Höchststand von 162 Milliarden Euro – ein Polster, das Planungssicherheit für die kommenden Jahre verspricht.

Siemens Energy bestätigte zugleich die Jahresprognose für 2026. Der Konzern erwartet ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen 14 und 16 Prozent sowie eine Ergebnismarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Spanne von 10 bis 12 Prozent. Für ein Unternehmen, das noch vor wenigen Jahren mit Problemen bei der Windkrafttochter kämpfte, ist das eine deutliche Bestätigung des eingeschlagenen Kurses.

Abspaltung der Industriesparte als nächster Schritt

Die Überlegungen zur Aufspaltung betreffen den Bereich, der Dampfturbinen und Wasserstoff-Technologie bündelt. Eine Abspaltung oder ein eigenständiger Börsengang würde die Konzernstruktur weiter vereinfachen und den Fokus auf die margenstarken Kernbereiche Gasturbinen und Netztechnik schärfen. Anleger dürften die Entscheidung des Sonder-Aufsichtsrats am 25. August genau verfolgen, da sie die Weichen für die künftige Aufstellung des Unternehmens stellt. Bereits im Juli hatte Siemens Energy mit dem Spatenstich für ein neues Transformatorenwerk im US-Bundesstaat Mississippi unterstrichen, wie stark die Nachfrage nach Netztechnologie derzeit ausfällt.

Analysten heben Kursziele nach den Zahlen an

Die Rekordzahlen lösten am vergangenen Mittwoch eine Serie von Analystenreaktionen aus. JPMorgan stufte die Aktie mit „Overweight“ ein und hob das Kursziel von 235 auf 245 Euro an – nach Einschätzung der Analysten übertraf der Konzern die Markterwartungen deutlich. Jefferies bestätigte sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 215 Euro; Analyst Lucas Ferhani verwies dabei auf die starke Profitabilität im Gaskraftwerksgeschäft und den mit 95 Gigawatt hohen Auftragsbestand in diesem Segment. Weitere Häuser wie Deutsche Bank und RBC Capital Markets bekräftigten am Rande der Zahlenvorlage ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von jeweils 210 Euro.

Kurs konsolidiert nach starkem Lauf

An der Börse hat sich die Aktie nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen zunächst etwas beruhigt. Am Freitag schloss das Papier bei 153,50 Euro, ein Minus von 0,35 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen sieben Handelstage steht dennoch ein Plus von 3,13 Prozent, seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit 27,49 Prozent im Plus. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht im April, fehlen der Aktie aktuell noch 21,44 Prozent – Raum, den optimistische Kursziele der Analysten durchaus für erreichbar halten.

Für die kommenden Wochen stehen mehrere Termine an, die die Richtung vorgeben könnten: Neben der Aufsichtsratssitzung zur Industriesparte reist das Management Ende August auf eine Investoren-Roadshow nach Asien, ehe im September Auftritte bei Konferenzen von Commerzbank/ODDO BHF und Morgan Stanley folgen. Die nächsten Konzernzahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2026 sind für den 11. November angesetzt.