Starke Auftragsbücher, ein frischer Milliardendeal in Taiwan — und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei Siemens Energy klaffen operative Stärke und Kursentwicklung gerade deutlich auseinander.
Der Kurs liegt am Freitag bei 163,60 Euro, ein Minus von knapp zwei Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sieben-Tages-Sicht summiert sich das Minus auf fast sechs Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von rund 33 Prozent zu Buche.
Taiwan-Auftrag: Turbinen plus langfristiger Service
Der operative Auslöser für Aufmerksamkeit ist ein Kraftwerksprojekt in Taiwan. Die Mai-Liao Power Corporation hat Siemens Energy mit Schlüsselkomponenten und langfristigen Services für zwei neue Gasblöcke beauftragt. Jeder Block leistet 1.200 Megawatt — zusammen 2.400 Megawatt installierte Leistung.
Siemens Energy liefert vier Gasturbinen des Typs SGT6-9000HL, Generatoren, Dampfturbinen, Kondensatoren und Hilfssysteme. Die Anlage ersetzt 1.800 Megawatt bestehende Kohlekapazität. Die CO₂-Emissionen je Kilowattstunde sollen gegenüber den Kohleblöcken um rund 58 Prozent sinken.
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Beide Einheiten sollen bis Ende 2029 in Betrieb gehen. Danach erwartet Siemens Energy eine jährliche Stromproduktion von rund 14 Milliarden Kilowattstunden — etwa fünf Prozent der gesamten Stromerzeugung Taiwans.
Für Investoren ist die Struktur des Deals entscheidend: Es geht nicht nur um den einmaligen Anlagenverkauf, sondern um wiederkehrende Serviceerlöse über die gesamte Betriebsdauer.
Quartalszahlen belegen die Nachfrage
Die Zahlen aus dem zweiten Geschäftsquartal 2026 erklären, warum der Markt hohe Erwartungen hat. Der Auftragseingang lag bei 17,75 Milliarden Euro. Der Umsatz erreichte 10,3 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten 1,16 Milliarden Euro.
Der Auftragsbestand kletterte auf 154 Milliarden Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,72 zeigt: Siemens Energy nimmt deutlich mehr Aufträge herein, als es ausliefert.
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Den Ausblick hat das Unternehmen nach dem Quartal angehoben. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Siemens Energy ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine Ergebnismarge von 10 bis 12 Prozent, einen Gewinn nach Steuern von rund 4 Milliarden Euro und einen Free Cashflow vor Steuern von rund 8 Milliarden Euro.
Hohe Bewertung trifft auf Gewinnmitnahmen
Die eigentliche Spannung liegt in der Bewertung. Das geschätzte KGV für 2026 liegt bei 39,2, für 2027 bei 28,4. Nach einer Kursverdopplung innerhalb von zwölf Monaten — das 52-Wochen-Tief lag bei 82,96 Euro — haben viele Anleger satte Gewinne im Depot.
Kein Wunder, dass selbst gute Nachrichten keine Anschlusskäufe auslösen.
Der Taiwan-Auftrag bestätigt die Nachfrage nach flexibler Kraftwerkstechnik. Er beantwortet aber nicht die Frage, die den Kurs wirklich bewegt: Kann Siemens Energy die hohen Auftragseingänge aus Gas Services und Grid Technologies verlässlich in Margen, Cashflow und planbare Serviceerlöse überführen? Genau das wird die Bewertung in den kommenden Quartalen rechtfertigen oder korrigieren müssen.
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