Siemens Energy steckt eine Verkaufswelle im Energie- und Turbinensektor größtenteils weg. Auslöser war ein enttäuschender Quartalsbericht des US-Konkurrenten GE Vernova am Mittwoch, der Anleger in der gesamten Branche verunsicherte und rückläufige Aufträge im Windgeschäft offenbarte. Morgan Stanley senkte daraufhin sein Kursziel für GE Vernova. Für Siemens Energy fielen die Reaktionen der Analysten hingegen deutlich positiver aus.
UBS und JPMorgan bleiben bullish
UBS hob das Kursziel für die Siemens-Energy-Aktie von 175 auf 210 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Auch JPMorgan bekräftigte seine Overweight-Einstufung und wertet die jüngste Kursschwäche als Einstiegschance. Die Bank sieht die fundamentale Story des Konzerns durch den Sektor-Abverkauf nicht beschädigt – der Rücksetzer gehe primär auf die US-Konkurrenz zurück, nicht auf unternehmensspezifische Probleme bei Siemens Energy.
Die Marktreaktion bestätigt diese Lesart nur teilweise. Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 150,70 Euro, nachdem sie im laufenden Monat rund 5,22 Prozent verloren hatte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro, erreicht Ende April, trennen das Papier inzwischen knapp 23 Prozent. Der Kursrutsch relativiert sich allerdings im längerfristigen Bild: Die Aktie bewegt sich weiterhin oberhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts, was auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend hindeutet, auch wenn die kurzfristige Dynamik derzeit fehlt.
Rückkaufprogramm und Quartalszahlen im Blick
Neben der Analystenreaktion rückt bei Siemens Energy ein Kapitalrückführungsprogramm in den Fokus: Der Konzern prüft einen Aktienrückkauf von bis zu 6 Milliarden Euro bis 2028. Ein solches Volumen würde die Bilanzstärke unterstreichen, die zuletzt für steigende Kursziele gesorgt hat. Anleger erhalten weitere Klarheit am 5. August, wenn Siemens Energy seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegt – ein Termin, der angesichts der Branchenverunsicherung durch GE Vernova mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden dürfte.
Parallel zur operativen Berichterstattung vollzieht der Konzern einen Markenwechsel: Siemens Energy und Siemens Gamesa sollen künftig unter dem Namen Omterra auftreten. Vorstandschef Christian Bruch begründete den Schritt damit, dass der bisherige Markenvertrag zeitlich befristet sei und der Übergang nun beginne. An der strategischen Ausrichtung des Unternehmens ändere sich dadurch nichts.
Auftragslage und internationale Präsenz
Operativ liefert Siemens Energy weiter Belege für seine Rolle im Ausbau der Energieinfrastruktur. Gemeinsam mit Neptun Werft und Smulders errichtet der Konzern für den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz die Konverterplattform North Sea Connector 2, ein Offshore-Projekt mit 2 Gigawatt Leistung, das bis Ende 2034 in Betrieb gehen soll. 95 Prozent der Siemens-Energy-Leistung an dem Projekt entfallen auf deutsche Werke, das Vorhaben könnte in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 500 Arbeitsplätze schaffen.
International sorgte zudem der Besuch des deutschen Außenministers Johann Wadephul bei Siemens Energy in Johannesburg für Aufmerksamkeit. Im Zentrum des Treffens standen industrielle Kooperation und Diversifizierung – ein Thema, das vor dem Hintergrund hoher Energiekosten und regulatorischer Belastungen in Deutschland an Bedeutung gewinnt, wo nach offiziellen Angaben monatlich rund 15.000 Industriearbeitsplätze verloren gehen.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristig belastet die Nervosität rund um GE Vernova die gesamte Branche, während Siemens Energy operativ mit Großaufträgen und einem möglichen Milliarden-Rückkauf Substanz zeigt. Die Quartalszahlen am 5. August dürften zeigen, welche Lesart sich durchsetzt.
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