Gute Aussichten hat die Siemens Energy noch immer. Mit einem kleinen Plus von 0,58 % verabschiedete sich der Dax-Wert am Freitag aus dem Börsenhandel und kam auf einen Kurs von je nach Börsenplatz zwischen 150,34 Euro und 151,45 Euro. Die Notierungen sind damit bezogen auf die 200-Tage-Linie noch immer im Aufwärtstrend. Es wurde aber knapper. Dies war nur ein technisches Problem.

Die Konkurrenz hat den Markt in Wallung gebracht

Der weltweit steigende Strombedarf verändert die Perspektiven der Energietechnikbranche nachhaltig. Vor allem der Ausbau von KI-Rechenzentren, die fortschreitende Elektrifizierung und der wachsende Energiebedarf vieler Volkswirtschaften sorgen für eine anhaltend hohe Nachfrage nach moderner Kraftwerks- und Netztechnik. Für Siemens Energy eröffnet diese Entwicklung attraktive Wachstumschancen, auch wenn einzelne Geschäftsbereiche weiterhin vor Herausforderungen stehen.

Ein aktuelles Beispiel für diese gemischte Branchenlage lieferten die Quartalszahlen des US-Konkurrenten GE Vernova. Während das Unternehmen von einer starken Nachfrage nach Gasturbinen profitierte und seine Umsatz- sowie Cashflow-Prognosen anhob, entwickelte sich das Windgeschäft deutlich schwächer. Geringere Auslieferungen bei Onshore-Anlagen, höhere Kosten im Offshore-Bereich und rückläufige Auftragseingänge belasteten das Segment. Da Siemens Energy über Siemens Gamesa ebenfalls im Windenergiemarkt vertreten ist, werden diese Entwicklungen von Investoren genau beobachtet.

Entsprechend unterschiedlich fallen die Einschätzungen der Analysten aus. JPMorgan hält trotz zwischenzeitlicher Kursschwankungen an einem Kursziel von 235 Euro fest und sieht weiterhin erhebliches Potenzial. Barclays bewertet die Perspektiven dagegen vorsichtiger und verweist darauf, dass bereits viel Optimismus im Aktienkurs berücksichtigt sein könnte. Die große Spannweite der Kursziele von 100 bis 260 Euro verdeutlicht, wie unterschiedlich die Erwartungen an die weitere Entwicklung ausfallen.

Zusätzliche Impulse könnte Siemens Energy durch den weltweiten Ausbau der Energieinfrastruktur erhalten. Neben Investitionen in Stromnetze gewinnt auch die Kernenergie wieder an Bedeutung. Neue Reaktorprojekte in Nordamerika und anderen Regionen eröffnen dem Konzern Chancen bei Dampfturbinen, Generatoren und weiterer Kraftwerkstechnik. Gleichzeitig bleibt der Turnaround von Siemens Gamesa ein entscheidender Faktor, da Marktbeobachter dort erst in den kommenden Jahren mit einer nachhaltigen Verbesserung rechnen.

Analysten insgesamt sehen den Titel noch immer bei mehr als 195 Euro. Das Polster ist groß.