Rekordaufträge und eine deutlich bessere Profitabilität prägen derzeit die operative Seite von Siemens Energy. Im jüngst abgerechneten dritten Quartal erreichte der Auftragseingang 17,9 Milliarden Euro und damit einen neuen Höchstwert. Der Book-to-Bill (also das Verhältnis der Aufträge zum tatsächlichen aktuellen Umsatz) von 1,57 zeigt zudem, dass erheblich mehr neue Geschäfte hereinkamen, als im selben Zeitraum umgesetzt wurden. Für die künftige Auslastung des Konzerns ist das ein ausgesprochen starkes Signal.

Siemens Energy: Das macht durchaus Mut!

Auch beim Umsatz und Ergebnis zeigt sich die Verbesserung deutlich. Die Erlöse legten um 18,5 % auf 11,4 Milliarden Euro zu. Noch kräftiger fiel der Sprung beim Ergebnis vor Sondereffekten aus: Es vervielfachte sich von 497 Millionen auf 1,62 Milliarden Euro. Gleichzeitig meldete Siemens Gamesa erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis. Das einstige Sorgenkind trägt damit zunehmend zur Stabilisierung des Konzerns bei.

Die Dynamik schlägt sich auch in der Prognose nieder. Siemens Energy erwartet für das gesamte Jahresergebnis inzwischen ein Umsatzwachstum von 14 bis 16 %, nachdem zuvor 11 bis 13 % angepeilt worden waren. Die Marge vor Sondereffekten soll 10 bis 12 % erreichen. Hinzu kommt ein neuer Auftrag von SBM Offshore über 16 modulare Energiesysteme für zwei Petrobras-Plattformen in Brasilien. Das zeigt, dass die Nachfrage nicht ausschließlich aus dem klassischen Energiewende-Geschäft kommt.

Trotz dieser Zahlen bleibt der Abstand zu den bisherigen Höchstständen erheblich. Die Aktie notiert noch rund 24 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, obwohl sie auf Zwölfmonatssicht kräftig zugelegt hat. Analysten trauen dem Papier entsprechend weitere Kursgewinne zu: Ein genanntes Kursziel liegt bei 198 Euro, JPMorgan sieht sogar 245 Euro.

Nur: Die Unsicherheit über die Zukunft des Turbinengeschäfts überlagert derzeit teilweise die starken Geschäftszahlen. Auch die Frage, wie nachhaltig der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren und damit der zusätzliche Energiebedarf ausfällt, spielt für die Erwartungen eine Rolle. Siemens Energy schloss den Dienstag mit einem Plus von 2,70 % bei 152,76 Euro. Entscheidend ist nun, ob die strategische Klarheit zurückkehrt und der Kapitalmarkt die operative Verbesserung wieder stärker in den Vordergrund stellt.