Ein Mitglied des eigenen Aufsichtsrats setzt ein Zeichen: Laurence Mulliez kaufte am 26. August 660 Aktien von Siemens Energy zu je 151,91 Euro, ein Investment von gut 100.000 Euro. Solche Eigengeschäfte von Kontrollgremiums-Mitgliedern gelten unter Anlegern traditionell als Vertrauenssignal in die Unternehmensstrategie – und die befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Umbau.
Parallel zum Insiderkauf treibt der Konzern die Umbenennung in „Omterra“ voran. Unter diesem gemeinsamen Namen und Markendach sollen Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy künftig auftreten, der Rebranding-Prozess startet noch in diesem Jahr.
Nach Unternehmensangaben spart die neue Marke jährlich rund 300 Millionen Euro an Lizenzgebühren, die bislang an die Siemens AG flossen – jene Gesellschaft, die seit der Abspaltung 2020 nur noch als ehemalige Muttergesellschaft gilt und deren Anteil laut Stimmrechtsmitteilung vom April mittlerweile auf 5,54 Prozent geschrumpft ist.
Operatives Geschäft liefert Rekordwerte
Der Rückhalt für den Umbau speist sich auch aus den Zahlen des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2026, das Ende Juni schloss. Siemens Energy meldete einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro sowie einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro, ein vergleichbares Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Gewinnmarge zog ebenfalls an. Besonders bemerkenswert: Die einstige Krisensparte Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder schwarze Zahlen und liegt nach Konzernangaben im Plan, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen.
Der Konzern bestätigte nach der bereits im ersten Halbjahr angehobenen Guidance für das Gesamtjahr 2026 seine Erwartungen und rechnet mit einer Gewinnmarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Zielspanne. Diese operative Stärke bildet das Fundament für die parallel laufende strukturelle Neuausrichtung, bei der die Sparte „Transformation of Industry“ als eigenständiges Unternehmen abgespalten und mehrheitlich verkauft werden soll – ein Vorhaben, das der Aufsichtsrat vergangenen Freitag beschlossen hat und für das laut Bloomberg mit CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR bereits fünf potenzielle Käufer Gebote prüfen, bei einer Bewertung von über 10 Milliarden Euro.
Kurs unter Druck trotz starker Fundamentaldaten
An der Börse zeigt sich das Bild gemischt. Die Aktie schloss am Freitag bei 149,28 Euro, ein Rückgang von 0,8 Prozent auf Tagessicht und von 2,7 Prozent auf Wochensicht. Damit notiert das Papier rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April erreicht wurde. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 12 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 24 Prozent verteuert.
Die jüngste Schwäche fällt in eine Phase, in der Analysten ihre Erwartungen leicht zurückschrauben, ohne die grundsätzliche Kaufempfehlung aufzugeben: RBC Capital Markets senkte das Kursziel von 210 auf 200 Euro, beließ das Rating jedoch bei „Outperform“.
Die Diskrepanz zwischen operativer Rekorddynamik und Kursrückgang unterstreicht, dass Anleger den bevorstehenden Konzernumbau – von der Abspaltung des Industriegeschäfts bis zur Umbenennung in Omterra – als Unsicherheitsfaktor einpreisen, auch wenn das Kerngeschäft mit Rekordzahlen liefert.
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