Prognosesenkung und Kaufempfehlung am selben Tag — bei Siemens Healthineers passt das gerade zusammen. Bernstein Research beließ die Aktie nach den Neunmonatszahlen auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 45,70 Euro. Der Grund für die Zuversicht liegt nicht im laufenden Geschäft, sondern im Auftragsbuch.

Der Medizintechnikkonzern musste am Freitag zum zweiten Mal in Folge seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 kappen. Statt der zuvor erwarteten 4,5 bis 5,0 Prozent rechnet Erlangen nun nur noch mit einem vergleichbaren Wachstum von 3,5 bis 4,0 Prozent. Verantwortlich dafür ist die Labordiagnostik-Sparte, die Healthineers ohnehin nicht mehr zum Kerngeschäft zählt und für eine mögliche Ausgliederung vorbereitet.

Diagnostik bremst, Varian zieht

In der Diagnostik-Sparte drücken zwei Faktoren auf das Wachstum: das schwierige China-Geschäft und das Auslaufen älterer Analyse-Systeme. Der vergleichbare Umsatz ging dort um 5,5 Prozent zurück. Eine Entscheidung über die Zukunft des Bereichs steht weiterhin aus — Finanzvorstand Jochen Schmitz nannte einen Zeitrahmen von rund 24 Monaten nach einem möglichen Beschluss.

Die Bildgebung, traditionell die größte und ertragsstärkste Sparte, wuchs im dritten Quartal nur um 2,3 Prozent. Konzernchef Bernd Montag erklärte das mit Umsatzverschiebungen ins vierte Quartal. Dort soll die Sparte wieder auf ein hohes einstelliges Wachstum zurückkehren. Deutlich robuster zeigt sich das Geschäft mit dem US-Krebsspezialisten Varian: Precision Therapy legte um 9,2 Prozent zu und bleibt damit der Wachstumsmotor des Konzerns.

Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal um 2,8 Prozent auf 5,76 Milliarden Euro — Analysten hatten mit mehr gerechnet. Bernstein hob dennoch das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,27 hervor, also ein deutlich höherer Auftragseingang als Umsatz. Genau dieser Auftragsbestand soll nach Einschätzung der Analystin Susannah Ludwig für eine Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Quartalen sorgen.

Zoll-Rückerstattung rettet das Ergebnisziel

Während der Umsatzausblick sinkt, steigt die Ergebnisprognose. Grund ist die Rückerstattung unrechtmäßig erhobener US-Zölle. Der Gewinn nach Steuern kletterte im Quartal um gut ein Fünftel auf 676 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll nun bei 2,35 bis 2,45 Euro liegen — 15 Cent mehr als bisher in Aussicht gestellt.

Parallel zu den Zahlen sprach Montag über die für Februar 2027 geplante Abspaltung von Siemens. Beide Hauptversammlungen müssen der Trennung dann noch zustimmen. Nach einer Übergangszeit könnte das Unternehmen künftig ausschließlich als „Healthineers“ auftreten — eine vollständige Umbenennung wie bei Siemens Energy, das zu Omterra wird, ist laut Montag nicht geplant. Ob der Name Siemens komplett verschwindet, ist Teil der laufenden Abspaltungsverhandlungen und soll bis Jahresende entschieden werden.