Rund 716 Millionen Unzen fehlen dem Silbermarkt aus den vergangenen fünf Jahren. Der neue World Silver Survey zeigt einen Markt im Dauerstress. Das Metall wird in den globalen Handelszentren spürbar knapper.

Sechstes Defizit in Folge

Das Silver Institute prognostiziert für das laufende Jahr das nächste massive Defizit. Die Nachfrage übersteigt das Angebot voraussichtlich um 46,3 Millionen Unzen. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Minenproduktion wächst zwar leicht. Sie kann den globalen Hunger nach dem Edelmetall aber nicht stillen. Folglich sinken die Lagerbestände in London auf ein kritisches Niveau.

Chinas Rekordimporte

Der Haupttreiber dieser Dynamik: China. Das Land importiert derzeit so viel Silber wie seit acht Jahren nicht mehr. Allein im Februar flossen rund 470 Tonnen in die Volksrepublik.

Die chinesische Solarindustrie saugt große Mengen für ihre Photovoltaik-Produktion ab. Parallel dazu greifen private Anleger zu. Viele nutzen Silber als günstige Alternative zu Gold. Folglich notiert der Preis in China deutlich über den internationalen Referenzwerten.

Geopolitik bremst den Preis

Trotz der fundamentalen Knappheit korrigierte der Silberpreis zuletzt auf rund 79 US-Dollar pro Unze. Zuvor markierte das Edelmetall noch ein historisches Rekordhoch.

Der Grund für die Abkühlung liegt im Nahen Osten. Die USA und der Iran verhandeln über einen Waffenstillstand. Das dämpft die Inflationserwartungen. Anleger suchen kurzfristig weniger Schutz in sicheren Häfen.

Ein schwacher US-Dollar stützt die Notierungen indes ab. Ein weiterer Indikator spricht für das Industriemetall. Die Gold-Silber-Ratio fiel Ende 2025 auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Silber beweist damit relative Stärke gegenüber Gold.

Der Markt tritt in eine Phase dauerhafter Knappheit ein. Anleger wollen laut Prognosen im laufenden Jahr knapp 20 Prozent mehr Münzen und Barren kaufen. Da die oberirdischen Bestände weitgehend aufgezehrt sind, reagiert der Preis künftig extrem sensibel auf kleinste Versorgungsengpässe.