Eigentlich müsste ein Krieg im Nahen Osten den Silberpreis beflügeln. Stattdessen rutscht das Edelmetall auf ein Mehrmonatstief. Am Freitag klettert der Kurs zwar um 0,82 Prozent auf 56,22 US-Dollar je Feinunze – auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von 6,70 Prozent.

Der Abwärtstrend hält damit bereits seit zwei Wochen an. Ein starker US-Dollar und die Aussicht auf lang anhaltend hohe Zinsen belasten das zinslose Edelmetall zusätzlich.

Eskalation in der Straße von Hormus

Die Lage im Nahen Osten hat sich in den letzten 48 Stunden dramatisch verschärft. US-Streitkräfte weiten ihre Angriffe auf iranische Infrastruktur aus, darunter Hafen- und Transportanlagen am Persischen Golf. Teheran reagiert mit Angriffen auf Ziele von US-Verbündeten in der Region.

Die Straße von Hormus gilt derzeit als hochgradig belastetes Krisengebiet. Das stützt die Ölpreise: Brent-Rohöl notiert bei rund 86 US-Dollar, WTI steigt auf 79,40 US-Dollar. Silber profitiert von dieser Entwicklung nicht.

Stattdessen ziehen der US-Dollar und die Renditen von Staatsanleihen die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Steigende Inflationssorgen treiben beide nach oben. Das setzt den in Dollar notierten Silberpreis zusätzlich unter Druck.

Fed-Daten bremsen jede Erholung

Neben der Geopolitik drücken aktuelle US-Wirtschaftsdaten auf die Stimmung. Die Inflationszahlen für Juni fallen zwar schwächer aus als erwartet. Robuste Konjunkturdaten halten die Zinserwartungen trotzdem hoch.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sinken überraschend auf 208.000. Der Philadelphia-Fed-Index für das verarbeitende Gewerbe springt auf 41,4 Punkte.

An den Terminmärkten rechnen Marktteilnehmer mit rund 90 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung am 29. Juli unverändert lässt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verharrt bei 4,53 Prozent. Für Silber bleiben diese hohen Realrenditen eine erhebliche Hürde.

Angebotsdefizit trifft auf schwache Nachfrage

Fundamental bleibt der Silbermarkt angespannt. Analysten erwarten für 2026 das sechste globale Angebotsdefizit in Folge, diesmal in Höhe von etwa 46,3 Millionen Unzen. Regulatorische Eingriffe in wichtigen Förderländern wie China begrenzen das physische Angebot.

Parallel dazu schwächelt die industrielle Nachfrage in mehreren Sektoren. Unsicherheit über die künftige Geldpolitik und hohe Energiepreise dämpfen zusätzlich die Investitionsbereitschaft. Marktbeobachter sehen darin das derzeit dominierende Thema: eine wachsende Kluft zwischen physischem Defizit und der Schwäche am Papiermarkt.

Der RSI von 34,8 signalisiert einen klaren Abwärtstrend, ohne dass der Markt bereits als überverkauft gilt. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 67,78 US-Dollar fehlen aktuell 17,05 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 20,77 Prozent zu Buche.

Der nächste konkrete Test folgt am 29. Juli mit der Fed-Zinsentscheidung. Bleibt die Notenbank bei ihrer restriktiven Haltung, dürfte der Gegenwind aus hohen Realzinsen für Silber vorerst bestehen bleiben.