Silber schließt die Woche mit einem Freitagsplus von rund einem Prozent auf 68,13 US-Dollar — und trotzdem steht die fünfte Verlustwoche in Folge zu Buche. Der Rohstoff steckt zwischen zwei gegenläufigen Kräften: Hoffnung auf einen US-Iran-Deal und hartnäckigem Zinsdruck.
Trumps Waffenstillstand als Kurzzeit-Katalysator
Den entscheidenden Freitagsimpuls lieferte Washington. Präsident Trump stoppte weitere Luftangriffe und erklärte, die USA hätten den Krieg gegen den Iran beendet. Die Juli-Futures sprangen daraufhin um 5,5 Prozent nach oben.
Allerdings bleibt die Lage fragil. Verhandlungen über das Nuklearprogramm sollen nach einer möglichen Grundsatzeinigung fortgesetzt werden. Ein endgültiges Abkommen könnte die Straße von Hormuz wieder öffnen und den Energiemarkt entlasten — doch unterschrieben ist nichts.
Inflation frisst die Gewinne auf
Das eigentliche Problem sitzt tiefer. Seit Beginn des Iran-Konflikts treibt der Energiepreisschock die Inflation — und damit die Zinserwartungen. Goldman Sachs hat seine Zinssenkungsprognosen für 2026 vollständig gestrichen. Die Bank rechnet frühestens im Juni 2027 mit dem ersten Schnitt.
Ein starker US-Arbeitsmarktbericht verstärkte den Druck. Mit 172.000 neuen Stellen — doppelt so viel wie erwartet — kollabierten die Zinssenkungshoffnungen. Das CME FedWatch Tool zeigt eine Wahrscheinlichkeit von 99,4 Prozent dafür, dass die Fed die Zinsen im Juni bei 3,50 bis 3,75 Prozent belässt.
Für Silber ist das strukturell ungünstig. Das Metall wirft keine Erträge ab. Steigende Treasury-Renditen erhöhen die Opportunitätskosten des Silberbesitzes direkt.
Seit seinem Allzeithoch von 121,78 US-Dollar Ende Januar hat Silber mehr als 44 Prozent verloren. Der 30-Tage-Verlust beträgt knapp 24 Prozent — der RSI liegt bei 40,7, noch kein überverkauftes Territorium.
Solarhersteller sparen Silber
Ein zusätzlicher Gegenwind kommt aus der Industrie. Photovoltaikhersteller — die größten industriellen Abnehmer — reduzieren aktiv den Silbereinsatz pro Zelle. Laut dem World Silver Survey sank die PV-Nachfrage 2025 um sechs Prozent auf 186,6 Millionen Unzen. Für 2026 erwartet Metals Focus einen weiteren Rückgang um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen.
BloombergNEF kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: rund 194 Millionen Unzen PV-Nachfrage — sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das, obwohl die globale Solarkapazität um 15 Prozent wächst. Der Grund: Silber macht inzwischen bis zu 29 Prozent der Modulkosten pro Watt aus. Dieser Kostendruck zwingt die Branche zur Substitution.
Kein Wunder, dass der industrielle Nachfrageausblick die Stimmung dämpft.
FOMC-Sitzung als nächster Prüfstein
Am 16. und 17. Juni tagt der FOMC. Die Zinsentscheidung und die erste Pressekonferenz des neuen Fed-Vorsitzenden Warsh dürften den geldpolitischen Kurs für das zweite Halbjahr setzen.
Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei 63 — innerhalb eines Monats stieg es um mehr als acht Punkte. Der historische Durchschnitt liegt zwischen 65 und 75; Werte über 80 gelten als Signal für eine Unterbewertung von Silber.
Strukturell bleibt ein Faktor bestehen: Das Silver Institute dokumentierte für 2025 das fünfte aufeinanderfolgende globale Angebotsdefizit von 40,3 Millionen Unzen. Für 2026 wird ein weiteres Defizit erwartet. Ob ein Iran-Deal am Wochenende gelingt oder scheitert, entscheidet kurzfristig die Richtung — die FOMC-Entscheidung nächste Woche dann die nächste.
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