Ein unerwartet schwacher US-Arbeitsmarktbericht rüttelt die Edelmetallmärkte wach. Silber verzeichnete am Freitag einen deutlichen Kurssprung. Die schwachen Daten setzen den US-Dollar unter Druck. Das befeuert Spekulationen auf sinkende Zinsen und lockt Käufer an.
Zum Wochenschluss kletterte der Preis um gut zwei Prozent auf 62,72 US-Dollar. Damit verringert das Edelmetall den Jahresverlust auf knapp 14 Prozent. Auslöser war die US-Jobstatistik für Juni. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden lediglich 57.000 neue Stellen.
Analysten hatten im Vorfeld mit rund doppelt so vielen neuen Arbeitsplätzen gerechnet. Parallel dazu korrigierten die Behörden die Vormonate spürbar nach unten. Die Renditen für zweijährige US-Staatsanleihen fielen daraufhin auf 4,13 Prozent. Die Folge: Zinslose Anlagen wie Silber werden wieder attraktiver.
Analysten senken Prognosen
Trotz der aktuellen Kursgewinne bleibt das langfristige Bild gemischt. Der Preis notiert weiter unter der 50-Tage-Linie von 71,67 US-Dollar. Die Bank OCBC reagierte bereits auf das unsichere Umfeld. Sie kappte ihr Jahresziel für 2026 drastisch auf 67 US-Dollar.
Als Grund nennen die Experten steigende Realrenditen. Hinzu kommt ein phasenweise starker Dollar. JPMorgan gibt sich optimistischer. Die US-Bank erwartet für 2026 einen Durchschnittspreis von 81 US-Dollar. Kurzfristig mahnen Beobachter jedoch wegen geopolitischer Risiken zur Vorsicht.
Industrie saugt den Markt leer
Abseits der Zinspolitik stützt die physische Nachfrage den Markt. Der Ausbau von KI-Infrastruktur verschlingt enorme Mengen des leitfähigen Materials. Forscher der Newcastle University testen aktuell einen neuen Klebstoff. Dieser soll Silber effizienter aus Elektroschrott lösen.
Eine höhere Recyclingquote drängt. Derzeit recycelt die Industrie weltweit nur knapp ein Viertel der Altgeräte. Das Silver Institute rechnet daher mit anhaltend knappen Beständen. Die Experten prognostizieren für 2026 ein Angebotsdefizit von rund 46 Millionen Unzen.
Charttechnisch hat sich die Lage derweil etwas entspannt. Eine wichtige Unterstützung hat sich bei 61,01 US-Dollar etabliert. Auf dem Weg nach oben wartet nun eine harte Bewährungsprobe. Erst wenn der Widerstandsbereich zwischen 64,00 und 64,50 US-Dollar fällt, ebnet das den Weg für eine nachhaltige Erholung.
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