Silber schüttelt den Ausverkauf vom Vortag ab. Am Freitag steigt der Preis um etwa 2,24 Prozent auf rund 58,55 US-Dollar. Nur einen Tag zuvor war das Edelmetall zeitweise um mehr als 4 Prozent eingebrochen. Käufer nutzen die Schwäche, ein etwas schwächerer Dollar hilft zusätzlich.
Beruhigt hat sich der Markt damit noch nicht. Silber steckt weiter zwischen zwei Kräften fest: geopolitisch getriebenen Inflationsängsten auf der einen Seite, einer strafferen US-Geldpolitik auf der anderen.
Huthi-Angriffe treiben den Ölpreis
Im Roten Meer eskaliert die Lage weiter. Huthi-Rebellen greifen erneut Öltanker an, die Sorge vor gestörten Lieferketten wächst. Brent-Rohöl kletterte deshalb zeitweise über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Steigende Ölpreise schüren Inflationsängste. Das macht Silber als Sachwert attraktiver. Zusätzlich sorgen neue US-Strafzölle zwischen 10 und 12,5 Prozent auf Importe zahlreicher Handelspartner für Unsicherheit an den Märkten. Silber dient in diesem Umfeld vermehrt als Absicherung gegen makroökonomische Risiken.
Arbeitsmarkt schürt Zinssorgen
Der US-Arbeitsmarkt bremst die Erholung aber deutlich. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 187.000 – den niedrigsten Stand seit 1969. Das signalisiert der Fed eine robuste Wirtschaft trotz hoher Zinsen.
Entsprechend rechnen Marktteilnehmer mit weiteren Zinserhöhungen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September liegt inzwischen bei 82,1 Prozent. Steigende Zinsen schmälern die Attraktivität von Silber, denn das Metall zahlt selbst keine Zinsen.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte parallel auf etwa 4,7 Prozent. Das ließ den Silberpreis am Donnerstag zeitweise um mehr als 4 Prozent einbrechen.
Strukturelles Angebotsdefizit stützt den Markt
Abseits kurzfristiger Zinsbewegungen bleibt das Fundament für Silber solide. Analysten erwarten das sechste Jahr in Folge mit einem globalen Angebotsdefizit. Die industrielle Nachfrage aus Photovoltaik, Elektromobilität und KI-Infrastruktur bleibt hoch.
Technisch gilt die Zone um 57 US-Dollar als wichtige Unterstützung. Die Marke von 60 US-Dollar gilt als psychologischer Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte den langfristigen Aufwärtstrend bestätigen.
Marktteilnehmer richten den Blick nun auf neue Fed-Signale in der kommenden Woche. Bestätigt die Notenbank den erwarteten Zinsschritt im September, dürfte der Widerstand bei 60 US-Dollar vorerst hart bleiben.
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