Der Silbermarkt zeigt sich am Dienstag außergewöhnlich nervös. Nach einer kräftigen Rally in Richtung der Marke von 59 US-Dollar je Feinunze rutschte der Preis zwischenzeitlich deutlich ab, ehe er sich wieder fing. Auslöser der Bewegung sind geopolitische Spannungen am Golf und die Frage, wie zügig die US-Notenbank ihre Geldpolitik anpasst.

Konkret kletterte der Preis am Dienstag bis auf 59,06 US-Dollar, nachdem er zuvor auf 57,59 Dollar zurückgefallen war – ein Rücksetzer von rund zwei Prozent. Marktbeobachter werten diesen Dip als gesunde Verschnaufpause nach dem starken Anstieg der vergangenen Wochen und nicht als Ende der Aufwärtsbewegung.

Hintergrund der Unruhe sind Gespräche zwischen den USA und dem Iran über die Straße von Hormus, die zentrale Öl- und Rohstoffroute am Persischen Golf. Der US-Präsident bekräftigte am Dienstag, die Gespräche würden trotz eines Dementis aus Teheran fortgesetzt, warnte zugleich vor einer „letzten Chance“. Solche Unsicherheiten treiben Anleger traditionell in Edelmetalle als Absicherung – ein Muster, das sich auch in den jüngsten Kursausschlägen bei Silber widerspiegelt.

Fed-Zinspfad und neuer Notenbankchef im Fokus

An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve um 25 Basispunkte im September inzwischen auf 65 Prozent taxiert. Ein Fed-Vertreter namens Williams äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass sich die Inflation in Richtung der Zielmarke von 2 Prozent bewege.

Zusätzliche Fantasie liefert der designierte künftige Fed-Vorsitzende Kevin Warsh, der am Markt als geldpolitisch lockerer eingeschätzt wird als sein Vorgänger. Marktteilnehmer werten dies als mögliches Signal für eine perspektivisch weniger straffe Geldpolitik, was Gold und Silber tendenziell stützen könnte. Für ein Edelmetall, dessen Attraktivität stark von der Zinsdifferenz zu verzinsten Anlagen abhängt, ist ein solcher personeller Kurswechsel an der Notenbankspitze keine Nebensächlichkeit.

Gold-Silber-Verhältnis als Signal für Aufholpotenzial

Das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis liegt aktuell bei rund 70,5. Analysten lesen daraus ein gewisses Aufholpotenzial für Silber, sollte sich der jüngste Trend fortsetzen – historisch gilt ein hoher Ratio-Wert oft als Hinweis darauf, dass das Industriemetall im Vergleich zu Gold relativ günstig bewertet ist. Der Goldpreis selbst bewegte sich am Dienstag kaum verändert um die Marke von 4.057 US-Dollar je Feinunze.

Für Anleger, die auf eine Fortsetzung der Silber-Rally setzen, dürfte deshalb weniger der Goldpreis selbst als das Verhältnis der beiden Metalle zueinander im Fokus stehen. Charttechnisch verorten Marktbeobachter eine Unterstützung im Bereich von 57,00 bis 57,50 Dollar, während der nächste Widerstand bei 59,40 Dollar verläuft. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke würde den zuletzt unterbrochenen Aufwärtstrend technisch bestätigen.

Impulse für die kommenden Handelstage dürften vor allem von US-Konjunkturdaten ausgehen. Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht an, für den Volkswirte rund 79.000 neue Stellen erwarten. Anleger behalten den Bericht als nächsten möglichen Belastungs- oder Unterstützungsfaktor für die Fed-Zinspolitik – und damit indirekt auch für die Edelmetallpreise – im Blick.