Der Silberpreis bewegt sich in einer Spannungszone. Die Feinunze notiert bei 75,83 US-Dollar — knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,09 Dollar. Während die Bank of America ihr Jahresziel auf 85,93 Dollar anhebt, warnt BMO Capital Markets vor überkauften Bedingungen und sieht das Edelmetall im vierten Quartal bei 60 Dollar.
Die Diskrepanz ist beträchtlich. BofA-Analyst Michael Widmer hält in extremen Szenarien sogar Spitzenwerte von 309 Dollar für möglich, wenn die Gold-Silber-Ratio kollabiert. Sein fundamentales Ziel liegt zunächst bei 100 Dollar. BMO bleibt skeptisch. Gold sei das bevorzugte Asset für das kommende Jahr, Silber dagegen anfällig für Gewinnmitnahmen.
Geopolitik entschärft Risikoprämie
Eine 60-tägige Waffenstillstandsverlängerung zwischen den USA und dem Iran dämpfte die Volatilität zum Wochenende. Der Iran garantiert freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus, die USA lockern im Gegenzug die Hafenblockade. Präsident Trump muss noch zustimmen. Die Märkte preisen bereits eine Beruhigung ein.
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Die Folge: Silber verlor binnen sieben Tagen 0,49 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 4,93 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 116,89 Dollar aus dem Januar bleibt 35 Prozent entfernt. Die annualisierte Volatilität liegt bei 55,53 Prozent — ein Wert, der die Nervosität der Marktteilnehmer widerspiegelt.
Photovoltaik spart, KI-Rechenzentren kaufen
Die industrielle Nachfrage spaltet sich. Im Photovoltaik-Sektor greift das sogenannte Thrifting — Hersteller reduzieren den Silbereinsatz pro Solarzelle. Metal Focus rechnet mit einem Rückgang von 186,6 Millionen Unzen 2025 auf 151 Millionen Unzen 2026.
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Neue Wachstumstreiber entstehen parallel. Festkörperbatterien für Elektrofahrzeuge benötigen bis zu einem Kilogramm Silber pro Einheit — das Zehnfache herkömmlicher Batterien. KI-Rechenzentren und 5G-Infrastruktur stützen die Basisnachfrage. Die COMEX-Lagerbestände fielen unter 100 Millionen Unzen. Das strukturelle Defizit am physischen Markt bleibt bestehen.
Arbeitsmarktdaten als Richtungsentscheid
Am 5. Juni folgen die Non-Farm Payrolls aus den USA. Der Arbeitsmarktbericht gilt als richtungsweisend für die Zinspolitik der Federal Reserve und damit für die Stärke des US-Dollars. Ein schwacher Dollar stützt Rohstoffe, ein starker Dollar belastet sie.
Charttechnisch bildet die Marke von 76 Dollar einen kurzfristigen Widerstand. Ein Durchbruch könnte den Weg bis 80 Dollar ebnen. Auf der Unterseite bietet die Zone um 73 Dollar erste Unterstützung, gefolgt von der psychologisch wichtigen Schwelle bei 70 Dollar. Die asiatischen Märkte eröffnen am Montag.
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