Binnen 48 Stunden haben mehrere Großbanken ihre Silber-Prognosen teils drastisch angehoben — und das bei einem Metall, das auf Jahressicht bereits 130 Prozent zugelegt hat. Die Botschaft der Institute ist eindeutig: Der Markt könnte noch weit von seinem Ziel entfernt sein.
Kursziele weit über aktuellem Niveau
Die Bank of Montreal (BMO) führt das bullische Feld mit einer Prognose von 220 USD an. Die Bank of America taxiert ihr Ziel auf 135 USD — hält in einem Extremszenario aber Kurse jenseits von 300 USD für möglich.
Moderatere, aber dennoch ambitionierte Erwartungen kommen von UBS und HSBC. Die UBS hob ihr Ziel für das vierte Quartal 2026 auf 80 USD an, nachdem zuvor 55 USD prognostiziert worden waren. Die HSBC setzte ihr Ziel bei 75 USD fest — knapp über dem aktuellen Handelsniveau von rund 74 bis 76 USD.
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Als Haupttreiber nennen die Analysten ein sich verschiebendes Gold-Silber-Verhältnis und ein chronisches Angebotsdefizit am physischen Markt.
Angebot strukturell unelastisch
Nur 27,8 Prozent der weltweiten Silberproduktion stammen aus Primärminen. Den Rest liefern Kupfer-, Blei- und Zinkprojekte als Nebenprodukt — was bedeutet, dass höhere Silberpreise das Angebot kaum ankurbeln. Produzenten fördern nicht mehr Silber, weil der Preis steigt; sie fördern mehr Basismetalle, weil deren Nachfrage es verlangt.
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Auf der Nachfrageseite hält die Industrie dagegen: Erneuerbare Energien und Elektronikfertigung sorgen für anhaltend hohen Verbrauch. Das bestehende Defizit wächst.
Geopolitik dämpft Zinsdruck
Berichte über eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe im Iran-Krieg drückten zuletzt die Ölpreise und damit die Inflationserwartungen. Am Markt sank die Wahrscheinlichkeit weiterer Fed-Zinserhöhungen — ein Umfeld, das Edelmetalle stützt.
Kurzfristig konsolidiert Silber zwischen einer Unterstützungszone bei 70 bis 73 USD und Widerständen bei 77,47 sowie 79,28 USD. Das jüngste Tief lag bei 72,00 USD, der Wochendurchschnitt bei 76,31 USD. Marktbeobachter erwarten bis Anfang Juni eine Richtungsentscheidung — ob der nächste Ausbruch nach oben oder eine tiefere Korrektur folgt, dürfte sich in diesem Zeitfenster abzeichnen.
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