Die Bank Citi bleibt bei ihrer optimistischen Einschätzung für Silber und bekräftigt ihre Kursziele von 75 US-Dollar je Unze auf Sicht von drei Monaten und 90 US-Dollar auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten.
Die Analysten begründen ihre Prognose mit einer steigenden Investmentnachfrage, die eine schwächere Industrienachfrage aus dem Solarsektor mehr als ausgleiche. Zudem verweist Citi auf eine strukturelle Marktverknappung, die den Silbermarkt bis 2027 in ein Angebotsdefizit treiben dürfte.
Der Silberpreis zeigt sich zuletzt bewegt. Am Freitag schloss das Edelmetall bei 69,01 US-Dollar, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht damit ein Zugewinn von 4,7 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich das Plus sogar auf 15 Prozent. Die Rally der vergangenen Wochen zeigt: Anleger setzen zunehmend auf das Edelmetall als Absicherung gegen geldpolitische und geopolitische Risiken.
Geopolitik und Zinserwartungen als Treiber
Citi verweist in seiner Analyse auf mehrere Faktoren, die die Nachfrage nach Silber stützen. Zum einen sorgt der Konflikt um die Straße von Hormus für zusätzliche Unsicherheit an den Rohstoffmärkten. Zum anderen zieht die Nachfrage aus Indien an, wo laut Citi ein Aufschlag von rund 7 Prozent auf den Weltmarktpreis gezahlt wird – ein Indiz für physische Knappheit vor Ort.
Auf der geldpolitischen Seite rechnet Citi frühestens zwischen September und Dezember 2026 mit einer Zinssenkung der US-Notenbank Fed. Eine solche Lockerung würde zinslose Anlagen wie Edelmetalle tendenziell attraktiver machen, da die Opportunitätskosten des Haltens sinken. Bis dahin bleibt der Silbermarkt jedoch anfällig für Rückschläge, sollte sich das Zinsbild eintrüben.
Volatilität bleibt hoch
Dass Silber ein schwankungsanfälliges Investment bleibt, zeigt der Blick auf die jüngere Vergangenheit. Bereits im Mai war der Preis binnen eines Handelstages um bis zu 9 Prozent eingebrochen, nachdem hohe Zinserwartungen und ein starker Dollar Investoren verschreckt hatten. Auch aktuell mahnen einzelne Häuser wie HSBC zur Vorsicht und halten Silber fundamental für überbewertet – ein deutlicher Kontrast zur bullishen Citi-Einschätzung.
Trotz dieser Gegenstimmen überwiegt am Markt derzeit die positive Erwartungshaltung. Parallel zur Silber-Rally verzeichnet auch Gold kräftige Zuflüsse: Die Ankündigung des US-Finanzministeriums, verstärkt langfristige Staatsanleihen zurückzukaufen, hat Sorgen um die Dollar-Stabilität neu entfacht und treibt Anleger in beide Edelmetalle.
Für Silber-Investoren bedeutet das: Solange die fiskalischen und geldpolitischen Unsicherheiten anhalten, dürfte die Investmentnachfrage die schwächere Industrienachfrage aus dem Solarsektor weiter kompensieren – ganz im Sinne der Citi-Prognose eines strukturell defizitären Marktes bis 2027.
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