Silber steht an einem technischen Scheideweg. Nach dem Kursrutsch infolge der hawkischen Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Kevin Warsh richten Analysten den Blick auf wichtige Marken im Chart – und kommen zu gegensätzlichen Einschätzungen über die kommenden Wochen.
Der Silberpreis notierte am Montag bei 67,24 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,2 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Anstieg von 15 Prozent zu Buche, während der Wert seit Jahresbeginn mit 4,8 Prozent im Minus liegt. Die Zahlen zeigen: Trotz der jüngsten Turbulenzen bleibt Silber im mittelfristigen Aufwärtstrend, auch wenn der Start ins Jahr schwach ausfiel.
Charttechnik liefert widersprüchliche Signale
Die technische Analyse zeichnet ein uneinheitliches Bild. Ein Marktbeobachter identifiziert bei 65,67 US-Dollar – dem 20-Tage-Durchschnitt – eine Pivot-Marke, die nach einer vorangegangenen Erholung von 29,5 Prozent einen bullischen Umschwung testen könnte. Widerstand sieht er im Bereich zwischen 71,56 und 72,44 US-Dollar, wo auch der 200-Tage-Durchschnitt verläuft.
Andere Analysten widersprechen dieser optimistischen Lesart deutlich. Kelle Weber etwa erkennt im Chart ein sogenanntes „Evening Star“-Muster, ein klassisches Umkehrsignal, und rechnet mit weiteren Rückgängen wegen der Nahost-Spannungen. Er verortet Widerstände bei 64 bis 65 sowie bei 70 US-Dollar, mit der 200-Tage-Linie bei 70,13 US-Dollar als zusätzlicher Hürde.
Noch bärischer positioniert sich Emmett Berge: Auf Basis einer Elliott-Wellen-Analyse sieht er eine laufende Korrekturwelle, die eine Fibonacci-Extension bis auf ein deutlich tieferes Niveau ansteuern könnte, nachdem der Kurs zwischenzeitlich nur auf gut 63 US-Dollar zulegen konnte.
Diese Diskrepanz zwischen den Prognosen unterstreicht, wie unruhig der Handel derzeit verläuft. Ein weiterer Marktkommentar spricht von „geräuschvollem“ Trading in einem Umfeld sinkender Realzinserwartungen – ein Zustand, der Silber anfällig für kurzfristige, teils widersprüchliche Ausschläge macht.
Zwölf-Monats-Bilanz relativiert die Nervosität
Wer nur auf die Tagescharts blickt, verliert leicht den größeren Rahmen aus den Augen. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich Silber um 61 Prozent verteuert – eine Bilanz, die den jüngsten Rücksetzer der vergangenen sieben Handelstage von 2,0 Prozent relativiert. Vom 52-Wochen-Tief bei 40,55 US-Dollar, erreicht am 2. September 2025, hat sich der Kurs damit um 66 Prozent nach oben abgesetzt.
Ein Investmentbeitrag, der Silber im August noch bei rund 61,83 US-Dollar verortete und einen Jahresanstieg von 63,48 Prozent bezifferte, empfahl damals eine Portfoliogewichtung von maximal 10 bis 15 Prozent für das Edelmetall – ein Hinweis darauf, dass selbst optimistische Stimmen zur Vorsicht bei der Positionsgröße raten.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Die langfristige Aufwärtsdynamik ist intakt, doch die kurzfristige Charttechnik liefert derzeit keine eindeutige Richtung. Wer sich an den divergierenden Analysteneinschätzungen orientiert, sollte die genannten Marken zwischen 64 und 72 US-Dollar als Orientierungspunkte für die kommenden Handelstage im Blick behalten.
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