Silber kostete am Donnerstag 57,79 US-Dollar je Feinunze. Das sind 0,25 Prozent weniger als am Vortag.

Einen Tag zuvor hatte der Preis noch um 1,69 Prozent auf 58,20 US-Dollar zugelegt, direkt vor der Fed-Entscheidung. Nun wartet der Markt auf die US-Inflationsdaten zum Monatsende.

Hawkish Hold sorgt für Unruhe

Die US-Notenbank beließ die Leitzinsen am Mittwoch in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Entscheidung selbst überraschte niemanden.

Das Abstimmungsergebnis dagegen schon: Mit 9 zu 3 Stimmen zeigte der Offenmarktausschuss die tiefste Spaltung seit Jahren.

Drei Regionalpräsidenten stimmten gegen den Kurs. Beth Hammack aus Cleveland, Neel Kashkari aus Minneapolis und Lorie Logan aus Dallas forderten stattdessen eine sofortige Zinserhöhung um 25 Basispunkte.

Investoren werten diesen „Hawkish Hold“ als Signal: Die Zinsstraffung ist möglicherweise noch nicht vorbei. Das drückt auf den Silberpreis. Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Edelmetalle.

Industrienachfrage in der Zwickmühle

Fundamental bleibt der Silbermarkt angespannt. Der World Silver Survey 2026 sieht das sechste Defizitjahr in Folge voraus. Die Angebotslücke beträgt 46,3 Millionen Unzen, während die Minenproduktion kaum wächst.

Im Solarsektor sinkt der Silberbedarf. Hersteller setzen zunehmend auf Kupfergalvanisierung, um Kosten zu senken. Branchenexperten nennen diesen Trend „Entsilberung“.

Anderswo wächst die Nachfrage rasant. Elektrofahrzeuge benötigen zwischen 25 und 50 Gramm Silber pro Fahrzeug. Hochleistungs-Rechenzentren für Künstliche Intelligenz treiben den Bedarf zusätzlich an. Diese Entwicklung verschärft die physische Knappheit an den Terminbörsen.

PCE-Daten und Lagerbestände im Blick

Am Freitag richten sich alle Augen auf den US-PCE-Preisindex. Die Fed beobachtet dieses Inflationsmaß besonders genau. Die Daten könnten entscheiden, ob Silber die 60-Dollar-Marke erneut testet oder zur Unterstützung bei 55 US-Dollar zurückfällt.

An der COMEX bleiben die physischen Bestände knapp. Von insgesamt 332,2 Millionen gelagerten Unzen zählen nur rund 99,2 Millionen Unzen zur Kategorie „registered“. Das zeigt: Für prompte Lieferungen steht deutlich weniger Silber zur Verfügung als die Gesamtzahl vermuten lässt.

Geopolitische Spannungen verstärken diesen Effekt. Angriffe auf Energie-Terminals am Schwarzen Meer und Konflikte im Nahen Osten stützen die Rolle von Silber als Absicherung gegen Inflation und Lieferkettenrisiken.

Der Freitag entscheidet über die kurzfristige Richtung. Fallen die PCE-Daten schwächer aus als erwartet, dürfte Silber Kurs auf die 60-Dollar-Marke nehmen. Enttäuschen die Daten die Markterwartung nach oben, rückt die Unterstützung bei 55 US-Dollar in den Blick.