Silber hat eine turbulente Handelswoche hinter sich. Auslöser war die Ankündigung des US-Finanzministeriums vom 19. August, Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ab dem 9. September auf rund 4 Milliarden US-Dollar je Operation zu verdoppeln. Die Aussicht auf zusätzliche Liquidität im Finanzsystem beflügelte Edelmetalle spürbar und ließ Silber zeitweise über die Marke von 70 US-Dollar je Feinunze klettern.
Von der Rally zum Rücksetzer
Reuters meldete am 19. August einen Sprung von Spot-Silber um fast 4 Prozent auf 65,8 US-Dollar je Feinunze. Am 21. August folgte laut Reuters ein weiterer Anstieg um 2,3 Prozent auf 69,62 US-Dollar, begleitet von breiteren Gewinnen bei Edelmetallen. Am 28. August durchbrach Spot-Silber kurzzeitig die 70-Dollar-Marke, Medienberichten zufolge stand damit für den August ein kumulatives Plus von etwa 22 Prozent zu Buche.
Die Euphorie hielt jedoch nicht an. Am Freitag drückte eine als hawkisch eingestufte Rede von Fed-Vertretern zusammen mit einem erstarkenden US-Dollar den Kurs deutlich nach unten. Innerhalb von nur zweieinhalb Stunden fiel Silber von 71,17 auf 66,39 US-Dollar je Feinunze. Im Wochenvergleich blieb Medienberichten zufolge ein Minus von 3,8 Prozent auf 66,36 US-Dollar übrig – ein deutlicher Dämpfer nach den vorangegangenen Kursgewinnen.
Zum Wochenschluss am Montag stabilisierte sich der Preis: Der Schlusskurs lag bei 67,24 US-Dollar je Feinunze, ein moderates Plus von 0,2 Prozent auf Tagessicht. Auf Sicht von 30 Tagen steht damit weiterhin ein Zugewinn von 15 Prozent zu Buche, was zeigt, dass die grundsätzliche Aufwärtsbewegung trotz des jüngsten Rücksetzers intakt bleibt.
Anleihen-Rückkäufe als Liquiditätssignal
Die Logik hinter der Kursreaktion ist nachvollziehbar: Größere Rückkäufe von Staatsanleihen durch das Finanzministerium erhöhen die Liquidität im Bankensystem und werden von Marktteilnehmern häufig als indirekt geldpolitisch lockernd interpretiert.
Für zinslose Edelmetalle wie Silber sinken damit die relativen Opportunitätskosten der Haltung. Gleichzeitig bleibt Silber empfindlich für gegenläufige Signale aus der Geldpolitik, wie der Rücksetzer nach der Fed-Rede am Freitag zeigte.
Auch die Wechselwirkung mit dem Dollar bleibt zentral: Ein schwächerer Greenback hatte die August-Rally mitgetragen, während die Erholung des Dollars zum Wochenausklang die Gegenbewegung bei Silber verstärkte.
Ausblick bleibt zweigeteilt
Mittelfristig lassen ältere Analystenkursziele – 75 US-Dollar auf Sicht von drei Monaten, 90 US-Dollar binnen sechs bis zwölf Monaten – erkennen, dass die grundsätzliche Aufwärtserwartung für Silber am Markt verbreitet war, auch wenn diese Einschätzungen mittlerweile mehrere Wochen zurückliegen und nicht als aktueller Konsens gelten können.
Kurzfristig dürfte der Silberpreis zwischen der Liquiditätsfantasie durch die bevorstehenden Anleihen-Rückkäufe ab dem 9. September und der Zinssensitivität gegenüber weiteren Fed-Aussagen schwanken. Die technische Marke von 72 US-Dollar bleibt dabei die nächste Hürde für die Bullen.
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