Diplomatie am Golf bewegt gerade den Silbermarkt. Vermittlungsgespräche zur Straße von Hormus drücken den Ölpreis und schwächen den Dollar. Silber nutzt die Gelegenheit und klettert am Mittwoch bis auf 60,39 US-Dollar je Feinunze.

Deeskalation am Golf treibt den Kurs

Katar und Oman vermitteln derzeit zwischen den USA und dem Iran. Ziel der Gespräche: eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Meerenge ist eine Schlüsselroute für den globalen Öltransport.

Schon die Aussicht auf Entspannung lässt den Ölpreis sinken. Damit sinken auch die Inflationserwartungen weltweit. Der US-Dollar gibt nach – und macht Silber für Investoren außerhalb der USA günstiger.

Sechstes Defizitjahr in Folge

Die fundamentale Lage am Silbermarkt bleibt angespannt. Der World Silver Survey 2026 erwartet für dieses Jahr ein globales Defizit von 46,3 Millionen Unzen. Damit fehlt Silber bereits das sechste Jahr in Folge.

Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen das Ausmaß. Seit 2021 haben Minen und Recycler zusammen rund 762,1 Millionen Unzen aus den weltweiten Lagerbeständen entnommen. Ohne diese Reserven wäre die Nachfrage längst nicht mehr zu decken gewesen.

Der Grund: Industrie verbraucht heute etwa 57 Prozent des weltweiten Silbers. Solarzellen und Halbleiter für Künstliche Intelligenz treiben diese Nachfrage an. Zwar senken Hersteller den Silberanteil pro Solarzelle – der Kapazitätsausbau der Branche überkompensiert diesen Spareffekt aber deutlich.

Fed hält still, Ratio bleibt attraktiv

Auch die Geldpolitik spielt Silber in die Hände. Die US-Notenbank Fed hält ihren Leitzins zum fünften Mal in Folge stabil, aktuell zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Silber wirft keine Zinsen ab – ein stagnierendes Zinsniveau schmälert diesen Nachteil gegenüber Anleihen.

Ein Blick auf das Gold-Silber-Ratio zeigt zusätzliches Potenzial. Das Verhältnis liegt aktuell bei rund 70, der langfristige Schnitt bei etwa 60. Silber gilt damit im historischen Vergleich weiterhin als günstig gegenüber Gold. Viele Anleger nutzen genau dieses Niveau, um neue Positionen aufzubauen.

Die 60-Dollar-Marke als Test

Charttechnisch steht Silber jetzt vor einer wichtigen Hürde. Die Unterstützung bei 57,00 bis 57,50 US-Dollar hat zuletzt gehalten. Die Marke von 60,00 US-Dollar gilt als psychologisch entscheidender Widerstand – ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte weitere Käufer anlocken.

Am Mittwoch selbst liefern zwei US-Konjunkturdaten mögliche Impulse: der ADP-Bericht zum privaten Arbeitsmarkt und der ISM-Dienstleistungsindex. Beide Zahlen beeinflussen die Erwartungen zur Fed-Politik – und damit direkt den Dollar und den Silberpreis.