Der US-Dollar drückt Silber auf Talfahrt. Am Dienstag rutschten die Notierungen unter 63 US-Dollar — ein Tagesrückgang von mehr als vier Prozent. Auslöser ist die anhaltende Dollarstärke, die das Edelmetall für internationale Käufer verteuert.

Notenbank setzt den Ton

Die Federal Reserve sendete bei ihrer jüngsten Sitzung klare Signale: Zinssenkungen sind vorerst kein Thema. Der Markt reagiert entsprechend. Steigende Renditen bei US-Staatsanleihen machen zinslose Assets wie Silber weniger attraktiv. Der Dollar kletterte parallel auf ein Einjahreshoch — das verschärft den Druck auf den gesamten Rohstoffsektor.

Fundamentale Stütze, aber mit Rissen

Das physische Angebot bleibt knapp. Schätzungen zufolge steht 2026 das sechste globale Angebotsdefizit in Folge bevor. Allerdings gerät die industrielle Nachfrage unter Druck.

Im Solarsektor läuft ein stiller Wandel: Hersteller reduzieren den Silberanteil in Solarzellen durch effizientere Beschichtungsverfahren — sogenanntes „Thrifting“. Der spezifische Silberbedarf pro Zelle sinkt, auch wenn der weltweite Ausbau der Kapazitäten weiterläuft. Neue Einsatzfelder in der KI-Infrastruktur und der Leistungselektronik für Elektrofahrzeuge könnten das teilweise ausgleichen.

PCE-Daten als nächster Belastungstest

Die 60-Dollar-Marke gilt als nächste psychologische Schwelle. Fällt Silber darunter, drohen technisch motivierte Anschlussverkäufe. Solange der Dollar stark bleibt, ist Erholungspotenzial begrenzt.

Am Donnerstag veröffentlicht die US-Regierung den PCE-Preisindex — das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Fallen die Zahlen höher aus als erwartet, dürfte der Druck auf Silber weiter steigen. Schwächere Daten hingegen könnten das knappe Angebot wieder in den Vordergrund rücken und für Entlastung sorgen.