Kurz vor Handelsstart markierte die Siltronic-Aktie noch ein Tief seit Ende April. Wenige Stunden später stand ein Kursplus von mehr als acht Prozent auf der Anzeigetafel. Der Auslöser: ein Silberstreif im Geschäft mit kleineren Wafern, den Analysten sofort goutierten.
Erste Reaktion verhalten, dann Kehrtwende
Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen am Vormittag reagierte der Markt zunächst zurückhaltend – die Aktie legte nur moderat zu. Im Tagesverlauf drehte die Stimmung deutlich, der Kurs kletterte auf rund 73,80 Euro. Der Münchner Wafer-Hersteller bleibt damit 2026 rund 50 Prozent im Plus, liegt aber weiterhin klar unter dem Mai-Hoch von knapp 109 Euro, das im Sog des allgemeinen KI-Booms zustande kam.
Das zweite Quartal selbst war durchwachsen. Der Umsatz sank im Jahresvergleich auf 321,6 Millionen Euro, das EBITDA fiel um rund ein Fünftel auf 69,4 Millionen Euro – die Marge rutschte von 26,3 auf 21,6 Prozent. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 63,2 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 14,6 Millionen stand. Der Fehlbetrag geht auf planmäßige Abschreibungen für das neue Werk in Singapur zurück und kam damit nicht überraschend. Analysten hatten im Vorfeld sogar mit schwächeren Werten gerechnet.
Wafer-Nachfrage als Hoffnungsträger
Siltronic passt seine Jahresprognose leicht an: Der Umsatzrückgang 2026 soll nun im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich ausfallen statt im mittleren Bereich, verglichen mit dem Vorjahresumsatz von 1,35 Milliarden Euro. Grund ist eine erwartete Belebung der Nachfrage nach 200-Millimeter-Wafern in der zweiten Jahreshälfte, auf die das Unternehmen bereits mit angepassten Personalkapazitäten reagiert. Die EBITDA-Margenspanne von 20 bis 24 Prozent bleibt unverändert.
Bei den 300-Millimeter-Wafern, getrieben vom Speicherchip-Boom rund um künstliche Intelligenz, bleibt die Nachfrage ohnehin robust. Der Hochlauf des Singapur-Werks sorgt hier zusätzlich für bessere Auslastung.
Jefferies-Analyst Constantin Hesse sieht in den Zahlen keine Überraschungen, wertet die Erholungssignale im 200-Millimeter-Geschäft aber als stützend für den zuletzt gefallenen Kurs. Deutlicher fällt die Reaktion bei MWB Research aus: Analyst Abed Jarad hob sein Kursziel von 70 auf 85 Euro an und stufte die Aktie von „Sell“ auf „Buy“ hoch. Als Begründung nennt er die anhaltend starke 300-Millimeter-Nachfrage, die bessere Auslastung in Singapur und sinkende Lagerbestände bei den Kunden im 200-Millimeter-Segment.
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