Singulus Technologies bleibt eine der auffälligsten Wetten am deutschen Nebenwertemarkt. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn mehr als versechsfacht. Zwei offene Fragen halten die Anleger trotzdem in Atem: Verkauft der chinesische Großaktionär Triumph sein Aktienpaket? Und was bringt die neue Partnerschaft im Halbleitergeschäft wirklich?

Kursentwicklung: Rally mit Verschnaufpause

Am Freitag schloss die Aktie bei 8,02 Euro, ein Minus von 0,50 Prozent zum Vortag. Der Kurs notiert damit rund 11 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 7,23 Euro. Diese Marke gilt charttechnisch als kurzfristige Unterstützung.

Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 509,89 Prozent zu Buche. Der jüngste Rücksetzer vom 52-Wochen-Hoch bei 11,10 Euro drückt zwar auf die Stimmung. Die grundlegende Aufwärtsbewegung bleibt aber intakt.

Aktienpaket von Triumph: Entscheidung steht noch aus

Im Zentrum der Anlegeraufmerksamkeit steht der laufende Verkaufsprozess des chinesischen Großaktionärs Triumph Science and Technology Group. Triumph hat die erste Stufe seines Bieterverfahrens abgeschlossen. Die öffentliche Angebotsfrist ist bereits abgelaufen.

Interessierte Investoren haben Gebote für das Aktienpaket eingereicht. Es umfasst rund 1,5 Millionen Singulus-Aktien und entspricht etwa 16,75 Prozent des Grundkapitals. Triumph prüft die eingegangenen Unterlagen nun nach den für das Unternehmen geltenden Vorschriften.

Ein Verkauf ist damit weiterhin nicht sicher. Triumph behält sich ausdrücklich vor, den Prozess auch ohne Transaktion zu beenden. Über einen erfolgreichen Abschluss würde das Unternehmen die Öffentlichkeit informieren. Ein Käufer oder gar eine Übernahme des gesamten Unternehmens sind bislang nicht bestätigt.

Neue Partnerschaft im Halbleitersegment

Abseits der Aktionärsfrage hat Singulus für Aufmerksamkeit im Halbleiterbereich gesorgt. Der taiwanesische Anlagenbauer Grand Process Technology arbeitet künftig mit seiner Tochter Challentech International und mit Singulus zusammen. Ziel ist die Entwicklung kompletter Prozesslösungen für Panel-Level-Packaging.

Grand Process bringt seine Expertise in nasschemischen Halbleiterprozessen ein. Challentech übernimmt Vertrieb, technischen Service und After-Sales-Support. Singulus steuert seine großformatige Vakuumbeschichtungstechnologie bei, mit der sich dünne Materialschichten auf Oberflächen auftragen lassen.

Die Co-CEOs Markus Ehret und Lars Lieberwirth sehen darin eine Kombination der Stärken aller beteiligten Firmen. Die Kooperation zielt auf ein wachsendes Marktsegment: Die Halbleiterindustrie sucht neue Verpackungstechnologien, um die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu bedienen. Traditionelle waferbasierte Verpackung stößt bei immer komplexeren KI-Chips an ihre Grenzen. Konkrete Auftragsvolumina aus der neuen Allianz hat Singulus bislang nicht genannt.

Ausblick auf die kommende Woche

Feste Unternehmenstermine stehen in der kommenden Woche nicht an. Der Halbjahresbericht 2026 folgt erst im August, die Hauptversammlung ist für das Spätjahr angesetzt.

Bis dahin dürften zwei Themen den Kurs bewegen: der Fortgang des Triumph-Bieterverfahrens und mögliche Details zur neuen Halbleiter-Kooperation. Angesichts einer annualisierten Volatilität von über 100 Prozent bleiben auch kurzfristig größere Kursausschläge in beide Richtungen wahrscheinlich.