Nach einem Kursanstieg von fast 393 Prozent seit Jahresanfang verschnauft die Singulus-Aktie. Der Schlusskurs lag gestern bei 7,22 Euro — ein Minus von 4,5 Prozent auf Wochensicht. Vom Juni-Hoch bei 7,84 Euro trennen den Kurs noch knapp acht Prozent.

Das ist bislang keine Trendwende. Auf 30-Tage-Sicht liegt die Aktie noch 51 Prozent im Plus, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt bei 5,46 Euro beträgt weiterhin 32 Prozent. Der RSI von 64,8 zeigt keine extreme Überhitzung — allerdings bleibt die annualisierte Volatilität mit 84 Prozent hoch.

Starke Q1-Zahlen als Fundament

Die operative Grundlage für die Neubewertung liefert das erste Quartal 2026. Der Umsatz stieg auf 21,8 Mio. Euro, nach 16,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das EBIT verbesserte sich auf 2,2 Mio. Euro — viermal so viel wie ein Jahr zuvor.

Der Auftragseingang kletterte auf 28,8 Mio. Euro. Ende März lag der Auftragsbestand bei 69,5 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr 2026 peilt Singulus Umsatzerlöse von rund 83 Mio. Euro an, dazu ein positives EBIT im unteren einstelligen Millionenbereich.

Solar und Halbleiter treiben das Geschäft

Die wesentlichen Ergebnisbeiträge sollen aus den Segmenten Solar und Halbleiter kommen. Im Solargeschäft erzielte Singulus im ersten Quartal einen Auftrag für eine Vakuum-Beschichtungsanlage — die Technologie zielt auf hocheffiziente Perowskit-Tandemsolarzellen.

Im Halbleiterbereich lief es ähnlich. Das Unternehmen erhielt einen Folgeauftrag für eine TIMARIS-Beschichtungsanlage zur Herstellung von MicroLEDs. Hinzu kam ein Auftrag für eine Anlage zur Produktion von MRAM-Bauteilen.

Schulden abgebaut, Struktur neu aufgestellt

Parallel zur operativen Erholung hat Singulus die Finanzseite umgebaut. Im Mai zahlte das Unternehmen eine Unternehmensanleihe über 12 Mio. Euro vorzeitig zurück — zu 105 Prozent des Nennbetrags zuzüglich aufgelaufener Zinsen.

Die bisherige Fremdfinanzierung ersetzt Singulus durch eine langfristige Struktur mit fünf Jahren Laufzeit. Abgelöst werden neben der Anleihe auch ein vorrangig besichertes Darlehen sowie ein Darlehen einer chinesischen Bank. Das reduziert den kurzfristigen Refinanzierungsdruck spürbar.

Konsolidierung als Belastungstest

Nach einem Anstieg dieser Größenordnung reicht solide Nachrichtenlage allein nicht mehr aus, um den Kurs weiter zu treiben. Die laufende Konsolidierung ist ein Test: Kann Singulus die Prognose für 2026 mit konkreten Aufträgen und Ergebnisbeiträgen unterlegen?

Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Umsatz und Auftragseingang das eingepreiste Wachstumsszenario bestätigen — oder ob der Abstand zum Juni-Hoch zunächst größer wird.