Wall Street baut auf, ein Großaktionär steigt aus. Bei Singulus Technologies laufen gerade zwei gegensätzliche Bewegungen parallel. Die Aktie legte am Freitag um 5,16 Prozent zu und schloss bei 8,96 Euro.

Morgan Stanley stockt weiter auf

Morgan Stanley hält jetzt 5,21 Prozent der Stimmrechte an Singulus. Zuvor waren es 4,94 Prozent. Die Bank erreichte den Anstieg über direkte Aktien und Wertpapierleihe.

Über die Beweggründe äußerte sich das Institut nicht. Strategische Absichten nannte Morgan Stanley ebenfalls nicht. Die Stimmrechtsmitteilung nach § 40 Abs. 1 WpHG erschien in den vergangenen Tagen und dokumentiert die schrittweise Aufstockung.

Der Zeitpunkt fällt auf: Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 511,60 Prozent verteuert. Eine große Bank baut ihre Position ausgerechnet in dieser Rally-Phase weiter aus.

Neue Finanzierung sichert operative Basis

Parallel zur veränderten Aktionärsstruktur hat Singulus seine Bilanz neu geordnet. Das Unternehmen nahm einen besicherten Kredit über 29 Millionen Euro auf, Laufzeit bis März 2031. Hinzu kommt eine Wandelanleihe über 3,6 Millionen Euro mit Laufzeit bis April 2031.

Mit dem frischen Geld löste Singulus bestehende Kredite und Anleihen ab. Der Zeitpunkt passt zur operativen Erholung. Im ersten Quartal 2026 gingen Aufträge über 28,8 Millionen Euro ein, der Auftragsbestand lag bei 69,5 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Umsatz von rund 83 Millionen Euro an. Beim EBIT rechnet das Management mit einem positiven Ergebnis im mittleren einstelligen Millionenbereich.

Triumph sucht Käufer für komplettes Aktienpaket

Der chinesische Großaktionär Triumph Science & Technology Group will sich von seinem kompletten Anteil trennen. Betroffen sind 1.489.997 Aktien, das entspricht rund 16,75 Prozent der ausstehenden Aktien. Das Bieterverfahren begann Anfang Juli und läuft über zehn Tage.

Triumph verkauft das Paket nur als Ganzes an einen einzigen Investor. Der Konzern ist seit Herbst 2018 an Singulus beteiligt und zugleich Kunde des Unternehmens. Ein neuer Ankerinvestor würde deshalb nicht nur die Aktionärsstruktur verändern, sondern auch bestehende Geschäftsbeziehungen berühren.

Kursbild bleibt volatil

Nach dem Rekordhoch bewegt sich die Aktie deutlich unter ihrer jüngsten Spitze. Auf Wochensicht hat der Kurs um 17,04 Prozent nachgegeben, auf 30-Tage-Sicht steht trotzdem ein Plus von 32,94 Prozent zu Buche.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 11,10 Euro, erreicht am 2. Juli, trennen die Aktie aktuell 19,28 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 1,20 Euro aus dem Oktober 2025 beträgt der Abstand mehr als das Sechsfache.

Der Titel notiert 36,44 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,57 Euro.

Über dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,09 Euro liegt die Aktie sogar um 190,24 Prozent.

Der RSI auf 14-Tage-Basis steht bei 58,2 Punkten und signalisiert keine akute Überhitzung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 100,86 Prozent macht das Papier weiterhin zu einem der schwankungsintensivsten Werte am deutschen Kurszettel. Die Marktkapitalisierung liegt bei 77,58 Millionen Euro.

Zwei Fristen laufen jetzt parallel. Die Refinanzierung schafft bis 2031 Planungssicherheit. Das Bieterverfahren um das Triumph-Paket entscheidet dagegen schon in den kommenden Tagen, wer künftig als Ankeraktionär bei Singulus auftritt.