Sivers Semiconductors erlebt eine Woche der Extreme. Nach einem Kurssprung von 60 Prozent an einem Tag folgt nun ein heftiger Rücksetzer. Die Aktie fällt am Donnerstag um elf Prozent auf 7,49 Euro.
Erst am Mittwoch erreichte der Kurs mit 10,23 Euro ein Rekordhoch. Seitdem hat die Aktie mehr als ein Viertel verloren. Auslöser der Rallye war die Partnerschaft mit dem US-Chiphersteller GlobalFoundries. Sie katapultierte Sivers in den AI-Infrastruktur-Boom. Der Markt für pluggbare Optiken könnte bis 2030 auf 25 Milliarden Dollar wachsen. Verbindliche Abnahmemengen oder Umsatzziele nannte Sivers nicht.
Hauptversammlung mit Weichenstellungen
Am 15. Juni treffen sich die Aktionäre in Stockholm. Wer stimmberechtigt sein will, muss spätestens heute im Aktienregister eingetragen sein. Die Hauptversammlung entscheidet über zwei neue Board-Kandidaten und ein Aktienoptionsprogramm über sieben Millionen Optionen. Das entspricht einer Verwässerung von rund zwei Prozent.
Weiter reicht der Ermächtigungsantrag: Das Board will bis zu 53,8 Millionen neue Aktien ausgeben dürfen – eine potenzielle Verwässerung von rund 15 Prozent. Das Geld soll in organisches Wachstum, Akquisitionen und einen möglichen Nasdaq-Listing in New York fließen.
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Insider-Ermittlungen und Short-Attacke
Hinzu kommt eine zweigleisige Belastung. Die schwedische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines möglichen Informationslecks. Ein anonymer Account auf der Plattform X hatte zwei Tage vor der offiziellen Ankündigung über einen möglichen US-Dual-Listing getwittert – und damit den Kurs befeuert. Staatsanwalt Jonas Myrdal spricht von einem auffälligen Timing und fordert eine Prüfung durch Nasdaq nach der EU-Marktmissbrauchsverordnung. Anklage wurde noch nicht erhoben.
Parallel dazu attackiert der Shortseller Ningi Research das Unternehmen. Der Bericht vom 1. Juni wirft Sivers zweifelhafte Umsatzbuchungen und hohle Kundenverträge vor. Der zentrale Vorwurf: Rund 97 Millionen schwedische Kronen des Vorjahresumsatzes – etwa 31 Prozent – könnten auf Forschungszuschüsse oder nicht gelieferte Produkte zurückgehen. Ningi hat eine Short-Position aufgebaut. Die Kanzlei Rosen Law Firm kündigte eine Untersuchung wegen möglicher Wertpapierverstöße an.
Short Squeeze heizte Volatilität an
Die heftigen Kurssprünge haben auch eine technische Ursache. Nach S&P Global Market Intelligence waren Ende Mai fast 17 Prozent des Free Float ausgeliehen – im März waren es nur 1,6 Prozent. Institutionelle Shortseller wie Voleon Capital und Two Sigma saßen in der Falle. Als die GlobalFoundries-Nachricht den Kurs explodieren ließ, mussten sie ihre Positionen eindecken. Das verstärkte die Rallye zusätzlich.
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Fundamentaldaten unter Druck
Unabhängig von den aktuellen Ereignissen belasten die Geschäftszahlen. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen schwedische Kronen.
Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen, der operative Verlust bei 41,5 Millionen. Der operative Cashflow betrug minus 49,2 Millionen Kronen. Begründung: verzögerte US-Verteidigungsausgaben nach dem Government Shutdown 2025 sowie ungünstige Währungseffekte.
Der Jahresbericht 2025 liegt noch nicht vor. Das Unternehmen stellt auf den US-Rechnungslegungsstandard PCAOB um – Voraussetzung für die geplante Zweitnotierung in New York.
Am 15. Juni entscheiden die Aktionäre in Stockholm über Board und Kapitalerhöhung. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen AI-Hype und behördlichen Ermittlungen gefangen.
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