Strafermittlung, neu aufgerollte Bilanzen und ein Kursanstieg von fast 20 Prozent an einem einzigen Tag — bei Sivers Semiconductors laufen gerade mehrere kritische Entwicklungen gleichzeitig auf den 29. Mai zu.
Staatsanwaltschaft prüft Insiderhandel
Schwedens Wirtschaftskriminalitätsbehörde untersucht, ob vertrauliche Details über die geplante Zweitnotierung an der Nasdaq New York vor der offiziellen Ankündigung im April nach außen gedrungen sind. Rund 48 Stunden vor dem Announcement veröffentlichte ein anonymer Account auf X mit großer Reichweite präzise Informationen über den Schritt — was ungewöhnliche Kursbewegungen auslöste. Staatsanwalt Jonas Myrdal prüft einen möglichen Verstoß gegen die EU-Marktmissbrauchsverordnung.
Bestätigte Verstöße gibt es bislang nicht. Eine Verurteilung würde jedoch US-Regulatoren auf den Plan rufen — zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für den Listing-Fahrplan.
Bilanzkorrektur weitet Verluste deutlich aus
Im Zuge der Vorbereitung auf die US-Notierung hat Sivers seine Jahresabschlüsse 2024 und 2025 nach PCAOB-Standards neu aufgestellt. Die Anpassungen umfassen Umsatzverschiebungen zwischen Berichtsperioden, revidierte Bestandsbewertungen, neue Fair-Value-Annahmen bei aktienbasierter Vergütung sowie Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten.
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Die Auswirkungen sind erheblich. Für 2025 stieg der Nettoumsatz leicht auf 306,6 Millionen SEK, das operative Ergebnis verschlechterte sich jedoch von minus 141,3 auf minus 177,8 Millionen SEK. Der Nettoverlust weitete sich von 186,5 auf 222,6 Millionen SEK aus. Noch deutlicher fiel die Korrektur für 2024 aus: Der Umsatz sank von 243,7 auf 219,2 Millionen SEK, der Nettoverlust sprang von 116,3 auf 183,9 Millionen SEK.
Boardroom-Umbau vor der Hauptversammlung
Parallel zur Bilanzüberarbeitung formt Sivers seinen Aufsichtsrat neu. Der Nominierungsausschuss schlägt ein fünfköpfiges Gremium vor. Neben den verbleibenden Mitgliedern Dr. Bami Bastani (Vorsitz), Todd Thomson und Karin Raj rücken zwei Neue nach: Joakim Nideborn, ehemaliger CFO börsennotierter Technologieunternehmen, als stellvertretender Vorsitzender sowie Helena Svancar. Mitgründer Erik Fällström und zwei weitere Mitglieder scheiden aus — damit verlässt ein Großteil des skandinavischen Gründungseinflusses das Gremium.
Der Umbau soll die Corporate Governance auf institutionelles Niveau heben, das US-Investoren und internationale Regulatoren erwarten.
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Aktionärsstruktur unter Druck
Achilles Capital, größter Einzelaktionär von Sivers, ist mit DDM Finance verknüpft — einem Unternehmen, das Anleihen nicht bedient hat und sich in Restrukturierung befindet. DDM sucht Käufer für Portfolios aus Krediten und Beteiligungen an Technologie- und Life-Sciences-Unternehmen im Wert von 30 bis 50 Millionen Euro. Ob Sivers Teil dieses Pakets ist, bleibt offen.
Auf der anderen Seite halten Voleon Capital mit 1,86 Prozent und Two Sigma mit 1,78 Prozent Short-Positionen — ein klares Signal, dass ein Teil des Marktes gegen die Aktie wettet.
Kursrausch auf dünnem Fundament
All das hinderte die Aktie nicht daran, am 25. Mai um 17,35 Prozent auf 85,55 SEK zu schließen und intraday ein neues 52-Wochen-Hoch bei 89,45 SEK zu markieren. Das treibt das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf 46,4 — etwa das Neunfache des europäischen Tech-Durchschnitts. Ein Analyst hat sein Kursziel bei 6,55 SEK gesetzt. Die Lücke zwischen Marktbegeisterung und konservativer Bewertung könnte kaum größer sein.
Am 29. Mai veröffentlicht Sivers den Quartalsbericht für Q1 2026 — erstmals unter dem neuen Rechnungslegungsrahmen. Nach Börsenschluss desselben Tages wird die Aktie in den MSCI Sweden Small-Cap Index aufgenommen, was weiteren passiven Kaufdruck erzeugen dürfte. Am 15. Juni stimmt die Hauptversammlung über den Boardroom-Umbau ab. Drei Termine, drei Weichenstellungen für das Nasdaq-Listing — und für den Kurs.
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