Zwei Großereignisse, ein Tag — und die Aktie bereits auf Rekordhoch. Am 29. Mai veröffentlicht Sivers Semiconductors seinen Quartalsbericht und wird gleichzeitig in den MSCI Sweden Small Cap Index aufgenommen. Das ist selten. Und es ist riskant.
Erzwungene Nachfrage trifft auf Short-Seller
Die MSCI-Aufnahme zwingt passive Fonds und ETFs, die den Index abbilden, zum Kauf. Das schafft mechanische Nachfrage — unabhängig vom Kurs. Händler haben das bereits eingepreist. Am Montag kletterte die Aktie in Stockholm auf bis zu 89,45 Schwedische Kronen, bevor sie sich bei rund 85 Kronen stabilisierte.
Bei 85,55 Kronen handelt die Aktie etwa das Dreizehnfache des Konsensschätzwerts von 6,55 SEK. Kein Wunder, dass Short-Seller aktiv sind. Rund 7,05 Prozent des Kapitals sind leerverkauft — Voleon Capital hält 1,86 Prozent, Two Sigma 1,78 Prozent.
Zahlen unter neuen Regeln
Der Q1-Bericht am 29. Mai ist der erste unter einem überarbeiteten Bilanzierungsrahmen. Das Unternehmen hat seine Abschlüsse für 2024 und 2025 auf US-PCAOB-Standards umgestellt — im Zuge der Vorbereitung auf eine mögliche Zweitnotierung an der Nasdaq New York.
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Die Anpassungen fallen erheblich aus. Für 2024 sank der Umsatz auf 219,2 Millionen Kronen, nach zuvor ausgewiesenen 243,7 Millionen. Der Nettoverlust weitete sich auf 183,9 Millionen Kronen aus — gegenüber ursprünglich 116,3 Millionen. Für 2025 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 306,6 Millionen Kronen. Der Nettoverlust stieg auf 222,6 Millionen Kronen.
Die Gründe: Umsatzverschiebungen zwischen Perioden, korrigierte Lagerbewertungen und Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten.
Pentagon-Auftrag und Wachstumspipeline
Operativ gibt es Substanz. Im Mai erhielt Sivers einen Zuschuss von 6,6 Millionen US-Dollar für das zweite Jahr des EW-STAR-Projekts — ein Programm des US-Verteidigungsministeriums für Breitband-Antennenanlagen in der elektronischen Kriegsführung. Die Technologie zielt auch auf zivile Anwendungen wie Satellitenkommunikation und KI-Rechenzentren ab.
Die qualifizierte Auftragspipeline wuchs 2025 um 64 Prozent auf 453 Millionen US-Dollar. Das Management nennt eine jährliche Umsatzlaufrate von 50 bis 55 Millionen US-Dollar als Schwelle für den operativen Cashflow-Breakeven — bei einer Bruttomarge über 50 Prozent.
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Risiken im Hintergrund
Mehrere Belastungsfaktoren trüben das Bild. Schwedische Wirtschaftsstaatsanwälte ermitteln wegen möglichen Insiderhandels. Ein anonymer Account auf X hatte Details zur geplanten Nasdaq-Notierung 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung veröffentlicht.
Heikler ist die Lage beim größten Einzelaktionär. Achilles Capital hält einen bedeutenden Anteil — sein Mutterkonzern DDM Finance hat jedoch Restrukturierung beantragt, nachdem Anleihen über rund 225 Millionen Euro im April 2026 fällig wurden. Der Restrukturierungsplan sieht Verkäufe von Kredit- und Technologiebeteiligungen im Wert von 30 bis 80 Millionen Euro vor. Ob der Sivers-Anteil Teil dieser Verkäufe wird, ist offen. Ein unkoordinierter Abverkauf würde den Kurs belasten.
Governance-Umbau für die Nasdaq
Parallel bereitet Sivers seine Führungsstruktur auf die US-Notierung vor. Die Hauptversammlung am 15. Juni 2026 soll einen neuen fünfköpfigen Vorstand wählen. Neu dabei: Joakim Nideborn, erfahrener CFO börsennotierter Technologieunternehmen, und Helena Svancar mit über 20 Jahren internationaler Führungserfahrung. Co-Gründer Erik Fällström verlässt das Gremium.
Zur Abstimmung steht außerdem ein Incentive-Programm mit bis zu 7 Millionen Aktienoptionen — das entspricht rund 2 Prozent Verwässerung. Management und Vorstand haben sich zu einer 180-tägigen Sperrfrist für neue Aktienausgaben verpflichtet. CEO und CFO unterliegen zusätzlich einer 90-tägigen Verkaufssperre.
Der 29. Mai wird zeigen, ob die operativen Fortschritte die Bewertung tragen — oder ob der Kurs nach dem Indexeinstieg schnell wieder Boden verliert.
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