Am 16. Juli endet eine Sperrfrist für Führungskräfte von Sivers Semiconductors. Ab dann dürfen CEO Vickram Vathulya, CFO Heine Thorsgaard und mehrere Vorstandsmitglieder ihre Aktien verkaufen. Der Termin trifft eine Aktie, die bereits massiv unter Druck steht.

Zum Handelsschluss am Freitag kostete das Papier 4,25 Euro, ein Plus von 2,41 Prozent zum Vortag. Der kurzfristige Blick zeigt aber ein anderes Bild: Auf Wochensicht steht ein Minus von 18,27 Prozent, über 30 Tage sind es sogar 38,54 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni, trennen die Aktie inzwischen 58,46 Prozent.

Warum die Sperrfrist jetzt zum Risiko wird

Die Lock-up-Vereinbarung stammt aus einer Aktienplatzierung vom 16. April. Sie band Board-Mitglieder wie Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie das Management-Duo Vathulya und Thorsgaard bis zum 16. Juli. Neue Aktienemissionen aus jüngerer Zeit brachten keine vergleichbaren Sperrfristen mit sich.

Das bedeutet: Ab kommender Woche können die genannten Führungskräfte ihre Anteile ohne vertragliche Beschränkung veräußern. Ein Verkaufsdruck durch Insider träfe damit auf einen Kurs, der bereits am Boden liegt.

Kapitalmaßnahmen als Belastungsfaktor

Die Kursschwäche der vergangenen Wochen hat einen konkreten Auslöser. Anfang Juli platzierte Sivers Semiconductors 12.280.701 neue Stammaktien in einer gezielten Kapitalerhöhung. Das Volumen entsprach umgerechnet rund 700 Millionen schwedischen Kronen, die Nachfrage übertraf das Angebot deutlich.

Kurz zuvor wandelte der Kreditgeber Bootstrap Europe einen Wandelkredit über 12 Millionen Dollar in etwa 22,8 Millionen neue Aktien um. Für bestehende Aktionäre bedeutete das eine Verwässerung von rund 6,4 Prozent. Beide Schritte stärken zwar die Bilanz und finanzieren den Ausbau der Fertigungskapazitäten für InP-Laser und optische Verstärker, die in KI-Rechenzentren und Automotive-LIDAR zum Einsatz kommen. Der Preis dafür zeigt sich aber im Aktienkurs.

Nasdaq-Pläne verschieben Zahlentermin

Parallel zu den Kapitalmaßnahmen treibt Sivers Semiconductors ein Doppel-Listing an der Nasdaq voran. Der Konzern hat dafür seinen Finanzkalender angepasst. Der Quartalsbericht für Q2 2026 verschiebt sich auf den 27. August 2026.

Das Unternehmen begründet den späteren Termin mit strengeren Anforderungen der PCAOB-Prüfstelle in den USA. Die Anpassung soll die Finanzberichterstattung auf ein Niveau bringen, das ein US-Listing verlangt.

Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 1,11 Milliarden Euro, bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 222 Prozent. Der RSI von 39,2 deutet auf keine akute Überverkauft-Situation hin, trotz der massiven Kursverluste. Zwei Termine dürften die kommenden Wochen prägen: der Ablauf der Sperrfrist am 16. Juli und der verschobene Quartalsbericht am 27. August.