Neues Board, offene Klagen, verschobene Mitarbeiterprogramme — und eine Aktie, die in 30 Tagen um 75 Prozent gestiegen ist. Bei Sivers Semiconductors verdichten sich die Ereignisse zu einem ungewöhnlichen Gemenge aus Aufbruch und Unsicherheit.
Hauptversammlung bringt frisches Führungspersonal
Die Hauptversammlung vom 15. Juni hat den Aufsichtsrat grundlegend neu aufgestellt. Bami Bastani bleibt Vorsitzender, Karin Raj und Todd Thomson wurden wiedergewählt. Neu hinzugekommen sind Joakim Nideborn als stellvertretender Vorsitzender und Helena Svancar.
Das neue Gremium sendete unmittelbar ein Governance-Signal. Die Tagesordnungspunkte 14 bis 16 — drei Anträge zu einem Mitarbeiteranreizprogramm — zog der Vorstand zurück. Begründung: Die neu gewählten Direktoren sollen zunächst eigene Impulse einbringen. Ein überarbeitetes Programm soll auf einer künftigen Hauptversammlung vorgelegt werden. Einen Termin dafür gibt es bislang nicht.
Ratifiziert wurde außerdem ein Wandeldarlehen über rund 327.000 US-Dollar. Es trägt einen Zinssatz von 10,85 Prozent pro Jahr und läuft bis Ende 2029.
Zwei US-Kanzleien und eine Behörde ermitteln
Parallel zur Governance-Neuordnung lasten drei laufende Untersuchungen auf dem Unternehmen. Die US-Kanzleien Rosen Law Firm und Bronstein, Gewirtz & Grossman prüfen mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze. Auslöser war ein Bericht des Leerverkäufers Ningi Research, der Anfang Juni rund 31 Prozent der gemeldeten 2025-Umsätze anzweifelte — mit dem Vorwurf, Forschungsfördergelder seien als kommerzielle Einnahmen verbucht worden. Formelle Klagen liegen noch nicht vor.
Schwedische Behörden ermitteln gesondert. Die Wirtschaftskriminalitätsbehörde untersucht Insiderhandel-Verdacht: Details zur geplanten Nasdaq-Notierung sollen vor der offiziellen Ankündigung im April durchgesickert sein. In den 48 Stunden vor dem Bekanntwerden hatte die Aktie ungewöhnliche Kursgewinne verzeichnet.
Nasdaq-Listing wartet auf PCAOB-Abschluss
Sivers plant eine Zweitnotierung an der Nasdaq New York. Voraussetzung ist ein nach PCAOB-Standards geprüfter Jahresabschluss — genau daran hängt der gesamte Zeitplan. Das Unternehmen hat seinen Jahresbericht 2025 verschoben, weil es die Rechnungslegung auf PCAOB-Normen umstellt. Bis die geprüften Zahlen vorliegen, bleibt das Listing-Datum offen.
Finanziell steht Sivers nach einem schwachen ersten Quartal unter Druck. Der Nettoumsatz fiel im Q1 2026 auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen — ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen. Management verweist auf verzögerte Verteidigungsbudgets in den USA, die erwartete Erlöse aus dem ersten Halbjahr in die zweite Jahreshälfte 2026 verschoben haben.
Volatilität auf extremem Niveau
Die Aktie schloss am Freitag bei 8,65 Euro — ein Minus von 1,65 Prozent auf Tagesbasis, aber noch immer rund 62 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Das 52-Wochen-Tief lag im März bei 0,27 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität beträgt 236 Prozent. Das ist selbst für den Halbleitersektor ein außergewöhnlicher Wert.
Den nächsten konkreten Datenpunkt liefert voraussichtlich der Q2-Bericht am 6. August 2026 — allerdings handelt es sich dabei um eine Schätzung, keine offizielle Bestätigung des Unternehmens.
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