Die Aktie von Sivers Semiconductors legt am heutigen Montag um 12,00 Prozent zu und setzt damit eine mehrtägige Aufwärtsbewegung fort. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen summiert sich der Kursgewinn auf 45,53 Prozent.
Eine offizielle Mitteilung des Unternehmens oder eine regulatorische Meldung, die diesen Sprung erklären würde, liegt bislang nicht vor. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Sivers befindet sich derzeit in einer Phase, in der es aus rechtlichen Gründen ohnehin keine neuen Unternehmensnachrichten mit Bezug auf eigene Aktien geben dürfte.
Stillhaltephase vor den Halbjahreszahlen
Seit dem 28. Juli gilt für Sivers Semiconductors eine sogenannte Closed Period nach Artikel 19(11) der europäischen Marktmissbrauchsverordnung. Bis zur Veröffentlichung des Quartalsberichts am 27. August dürfen Personen mit Führungsverantwortung im Unternehmen keine Transaktionen mit Finanzinstrumenten der Gesellschaft tätigen.
Der nächste Zwischenbericht nach diesem folgt am 26. November. Die aktuelle Kursbewegung fällt damit in eine Phase, in der weder Vorstand noch Aufsichtsratsmitglieder handeln dürfen und auch keine gezielte Unternehmenskommunikation zur Kursentwicklung zu erwarten ist.
Diese Konstellation ist für Sivers-Anleger nicht neu. Vor rund einem Monat war die Lock-up-Frist ausgelaufen, die im Zuge einer gerichteten Aktienemission vom 16. April bestimmten Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern den Verkauf von Aktien untersagt hatte.
Nach dem Ende dieser Sperrfrist erwarb Vorstandschef Vickram Vathulya 70.000 Aktien zusätzlich. Board-Mitglied Todd Thomson veräußerte über sein Investmentvehikel Headwaters Capital LLC 950.000 Aktien und verschenkte weitere 50.000 an eine gemeinnützige Organisation, blieb mit 477.027 Aktien aber größter Anteilseigner unter den Board-Mitgliedern.
Aufsichtsratschef Bami Bastani verkaufte 275.000 Aktien, verschenkte 60.000 an wohltätige Organisationen und weitere 70.000 an Familienmitglieder. Seit diesen Transaktionen hat sich der Kurs um 35,5 Prozent erhöht – die Verkäufe haben die anschließende Erholung also nicht ausgebremst.
Volatiles Jahr mit Short-Attacke und Kooperationsnews
Die extreme Schwankungsbreite der Aktie ist über das laufende Jahr betrachtet kein Einzelfall. Anfang Juni hatte der Short-Seller Ningi Research einen kritischen Bericht veröffentlicht, der dem Unternehmen unter anderem zweifelhafte Umsatzverbuchung und wiederholt gebrochene Versprechen zu einem Volumenhochlauf seit 2018 vorwarf.
Die OTC-notierten Papiere gaben daraufhin um 9,2 Prozent nach, und die Kanzlei Rosen Law Firm kündigte eine Untersuchung im Rahmen einer möglichen Sammelklage an.
Nur kurze Zeit später, ebenfalls Anfang Juni, meldete Sivers eine strategische Kooperation mit GlobalFoundries: Die Laserarrays des Unternehmens sollen in Referenzdesigns auf der Silizium-Photonik-Plattform des Partners integriert werden, mit Blick auf einen bis 2030 auf 25 Milliarden Dollar taxierten Markt für steckbare Optikmodule.
An diesem Tag schoss die Aktie um mehr als 50 Prozent nach oben und erreichte an der Stockholmer Börse mit rund 92 schwedischen Kronen ein Rekordhoch.
Von diesem Niveau ist der Titel weit entfernt. Trotz der jüngsten Erholung notiert die Aktie mit 20,43 Prozent Abstand noch klar unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Für Anleger bleibt damit ein Papier, dessen kurzfristige Ausschläge sich derzeit kaum an frischen Unternehmensmeldungen festmachen lassen – die eigentliche Bewährungsprobe steht mit dem Quartalsbericht am 27. August erst noch an.
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