Sivers Semiconductors kämpft an mehreren Fronten ums Überleben. Die Wirtschaftsprüfer zweifeln offen an der Fortführung des Geschäftsbetriebs. Parallel dazu rufen korrigierte Bilanzen und Ermittlungen der Behörden die Anleger auf den Plan. Nach einem brutalen Ausverkauf versucht die Aktie nun eine Stabilisierung.

Am Montag notierte das Papier bei 6,00 Euro und verzeichnete ein leichtes Tagesplus. Auf Wochensicht brach der Kurs jedoch um satte 32 Prozent ein. Zuvor hatte ein massiver Hype den Wert noch Anfang Juni auf ein Jahreshoch von 10,23 Euro getrieben.

Tiefe Löcher in der Bilanz

Der geplante Börsengang an der US-Technologiebörse Nasdaq zwingt das Management zu drastischen Schritten. Sivers musste seine Bilanzen an die strengen US-Standards anpassen. Die Folge: Die ausgewiesenen Verluste fallen drastisch höher aus als bisher bekannt.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr klettert der Fehlbetrag auf 222,6 Millionen schwedische Kronen. Auch der Verlust für die Vorperiode stieg nachträglich auf knapp 184 Millionen Kronen an. Das Unternehmen begründet dies mit neu bewerteten Lagerbeständen und Abschreibungen auf Entwicklungskosten. Ohne frisches Kapital droht nun laut den Prüfern das Aus.

Umbruch im Vorstand und Ermittlungen

Die Krise fordert personelle Konsequenzen. Auf der Hauptversammlung Mitte Juni räumten mehrere Schlüsselfiguren ihre Posten. Darunter befinden sich der stellvertretende Vorsitzende Tomas Duffy sowie die Gründungsinvestoren Erik Fallström und Keith Halsey. Der neue Vorstand zog umgehend geplante Mitarbeiter-Boni zurück. Das Gremium will die Programme zunächst komplett neu bewerten.

Derweil ermitteln die schwedische Finanzaufsicht und die Behörde für Wirtschaftskriminalität. Sie prüfen ein mögliches Datenleck rund um die US-Börsenpläne im April. In den USA formieren sich bereits Anwaltskanzleien für mögliche Sammelklagen. Ein kritischer Bericht des Leerverkäufers Ningi Research hatte die Vorwürfe ins Rollen gebracht.

Operativer Lichtblick

Zwischen den schlechten Nachrichten geht das operative Geschäft fast unter. Sivers sicherte sich kürzlich einen Produktionsauftrag von ALL.SPACE für das Jahr 2027. Das Volumen liegt bei 8,2 Millionen US-Dollar.

Der Fokus der Börse liegt aktuell aber rein auf der finanziellen Stabilität. Am 6. August veröffentlicht Sivers Semiconductors seinen Bericht für das zweite Quartal. Dann muss das Management konkrete Antworten zur Kassenlage und zum Fortschritt des Nasdaq-Listings liefern.