Ein Freitagsplus von 2,84 Prozent auf 3,19 Euro wirkt wie eine Verschnaufpause. Wer aber auf die vergangenen 30 Tage schaut, sieht bei Sivers Semiconductors ein anderes Bild: Die Aktie hat in diesem Zeitraum 64,77 Prozent ihres Wertes verloren. Der eigentliche Auslöser liegt nicht im Tagesgeschäft, sondern in der Bilanz selbst.

Bilanzrevision durch US-Audit-Standards

Sivers bereitet sich auf ein Dual-Listing an der Nasdaq in New York vor. Dafür muss der Konzern seine Finanzberichte an die Standards des US-Aufsichtsgremiums PCAOB anpassen. Genau dieser Prozess, intern „Audit Uplift“ genannt, hat zuletzt für den Ausverkauf gesorgt.

Die Zahlen selbst sind deutlich. Der Nettoverlust für das Geschäftsjahr 2025 wurde von ursprünglich 186,5 Millionen auf 222,6 Millionen schwedische Kronen nach oben korrigiert. Der Umsatz für 2024 fiel im Rückblick von 243,7 Millionen auf 219,2 Millionen Kronen niedriger aus als gemeldet.

Das Management erklärt die Anpassungen mit zwei Faktoren. Erlöse wurden zwischen Berichtsperioden neu zugeordnet. Zusätzlich hat der Konzern seine Lagerbewertung aktualisiert.

Kapitalspritze trifft auf Verwässerungsängste

Parallel zur Bilanzkorrektur hat Sivers seine Kasse aufgefüllt. Am 30. Juni 2026 kündigte der Vorstand eine Kapitalerhöhung über rund 700 Millionen Kronen an, gestützt auf die Ermächtigung der Hauptversammlung vom 15. Juni.

Das frische Kapital soll in den Ausbau der Fertigungskapazität fließen. Im Fokus stehen Indium-Phosphid-Laser und optische Verstärker – Bauteile, die für KI-Rechenzentren und LiDAR-Systeme in Fahrzeugen gebraucht werden. Die neuen Aktien haben den Markt allerdings zusätzlich belastet. Auslaufende Haltefristen für Insider verstärkten den Verkaufsdruck noch.

Insider kaufen, RSI signalisiert Überverkauf

Ein Gegensignal kommt aus dem eigenen Haus. Am 13. Juli 2026 meldete Sivers, dass mehrere Vorstandsmitglieder – darunter Bami Bastani, Karin Raj und Helena Svancar – sowie der CEO Aktien gekauft haben. Die Papiere unterliegen einer zwölfmonatigen Haltefrist, ein Bekenntnis zum Unternehmen trotz der Turbulenzen.

Auch die Charttechnik liefert einen Hinweis auf mögliche Stabilisierung. Der 14-Tage-RSI liegt bei 34,2 und nähert sich der Überverkauft-Schwelle von 30. Für manche Trader ist das ein erster Anhaltspunkt für eine Bodenbildung.

Quartalsbericht verschiebt sich

Wer auf schnelle fundamentale Klarheit gehofft hatte, muss länger warten. Sivers hat seinen Finanzkalender angepasst, um die strengeren PCAOB-Prüfstandards einzuhalten. Der Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026 erscheint nun erst am 27. August.

Bis dahin bleibt die Marke von 3,19 Euro die entscheidende Unterstützung. Rutscht der Kurs darunter, dürfte die für Sivers ohnehin schon hohe Schwankungsbreite weiter zunehmen.