Ein Schlusskurs von 2,83 Euro am Freitag, ein Minus von 60,69 Prozent innerhalb eines Monats — bei Sivers Semiconductors ist der Absturz brutal. Mitten in diesem Ausverkauf kauft der eigene Vorstandschef Aktien. Das Timing wirft Fragen auf.

Insider verkaufen, der CEO kauft

Am 16. Juli 2026 lief eine Lock-up-Frist bei Sivers Semiconductors aus. Die Folge: Mehrere hochrangige Insider trennten sich von ihren Anteilen. Chairman Bami Bastani verkaufte 275.000 Aktien und übertrug weitere Anteile per Schenkung. Board-Mitglied Todd Thomson stieß über sein Investmentvehikel Headwaters Capital LLC 950.000 Aktien ab.

CEO Vickram Vathulya schlug den entgegengesetzten Weg ein. Laut offiziellen Unternehmensmitteilungen kaufte er 70.000 zusätzliche Aktien am freien Markt. Damit hält er nun 4.540.076 Aktien, dazu kommen 3.700.000 Mitarbeiteroptionen. Der Kontrast zu den Verkäufen der Kollegen ist deutlich.

Blackout-Periode startet am Dienstag

Ab dem 28. Juli 2026 tritt bei Sivers eine verpflichtende „Closed Period“ nach der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) in Kraft. Für 30 Tage dürfen Personen mit Führungsverantwortung dann keine Wertpapiertransaktionen mehr durchführen. Diese Sperre gilt bis zur Veröffentlichung des Quartalsberichts für das zweite Quartal 2026.

Das schmale Zeitfenster vor dem Blackout erklärt den Zeitpunkt von Vathulyas Kauf. Wer als Insider noch handeln will, muss vor Dienstag aktiv werden.

Nasdaq-Pläne treiben den Kalender

Sivers hat den Termin für den Quartalsbericht auf den 27. August 2026 verschoben. Grund ist eine geplante Doppelnotierung an der Nasdaq in New York, die für Ende 2026 angepeilt wird. Um die US-Prüfstandards der PCAOB zu erfüllen, richtet das Unternehmen seine konsolidierten Finanzberichte derzeit neu aus.

Dieser Anpassungsprozess hatte bereits die jüngste Hauptversammlung und andere Berichtstermine verschoben. Der strengere Prüfrahmen kostet Zeit, soll aber den Weg zur US-Notierung ebnen.

Charttechnik zeigt überverkauften Markt

Der 14-Tage-RSI liegt bei 35,4 und nähert sich damit der überverkauften Zone. Die Aktie notiert derzeit 52,41 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 5,95 Euro — ein Ausmaß, das die Wucht des Ausverkaufs nach der Lock-up-Freigabe widerspiegelt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 161,81 Prozent zeigt, wie nervös der Markt auf Nachrichten rund um die Pipeline reagiert, die im Mai 2026 mit 799 Millionen Dollar bewertet wurde.

Die kommende Woche wird zeigen, ob der Kauf des CEO als Signal wirkt, bevor am Dienstag die regulatorische Ruhephase greift. Bis zum Quartalsbericht am 27. August bleibt den Insidern dann kein Spielraum mehr für weitere Transaktionen.